Blog & Podcast für Franchisezentralen

Hier findet Ihr Impulse und Lösungen für den Alltag in der Zentrale. Es geht um gemeinsamen Erfolg und maximales Wachstum im Franchise-Netzwerk, ohne aber den Spaß aus den Augen zu verlieren.

040 – Warum ihr Franchisenehmern den richtigen Umgang mit ihren Privatfinanzen beibringen solltet

040 – Warum ihr Franchisenehmern den richtigen Umgang mit ihren Privatfinanzen beibringen solltet

Mit Stefan Merath, Deutschlands Unternehmercoach Nr. 1, sprach ich über das Unternehmertum als Franchisegeber und Franchisenehmer. Wir sprachen über spezifische Herausforderungen in Systemzentralen und wie sich die Tätigkeit des Franchisegebers mit zunehmendem Wachstum verändern muss. Außerdem fanden wir heraus, warum Franchisegeber ihren Franchisenehmern beibringen sollten, wie sie richtig mit ihren Privatfinanzen umgehen.

Audio (22:35Min)

Stefan Meraths heutige Karriere begann mit einer Insolvenz im IT-Bereich. Anschließend beschäftigte er sich mit dem Thema Franchise und veröffentlichte u.a. das Buch „Der Weg zum erfolgreichen Franchisegeber“. Das damalige Unternehmen verkaufte er und wurde Deutschlands wahrscheinlich bekanntester Unternehmercoach. Er möchte Menschen helfen zu lernen, wie Unternehmersein eigentlich funktioniert. Dabei sieht er sich als Unternehmer, der ein Coaching-Unternehmen aufbaut. Ich freue mich, heute mit ihm über das Unternehmertum als Franchisegeber und Franchisenehmer sprechen zu dürfen.

Folgende Themen haben wir diskutiert:

Was unterscheidet den klassischen Unternehmer vom Franchisegeber-Unternehmer?

Der klassische Unternehmer hat die volle Kontrolle über sein Unternehmen, während im Franchise-Unternehmen die Franchisenehmer als eigenständige Unternehmer auch ein Wörtchen mitzureden haben. Stefan nennt als Beispiel die Änderung der Markenführung, bei der Franchisenehmer mitziehen und mitfinanzieren müssen.

Gleichzeitig kann der Franchisegeber vom Engagement und den Ideen seiner Franchisenehmer profitieren.

 

Welche unternehmerische Herausforderungen sind in Systemzentralen zu finden?

Die Systemzentrale muss das gesamte Business systematisieren, sonst ist es nicht über Franchisepartner multiplizierbar. Langfristig ist der Zwang der Systematisierung positiv, weil so mehr Klarheit entsteht.

Dabei muss ich als Franchisegeber allerdings in einem Bereich unterwegs sein, der ausreichend stabil ist. Ist man in einem Bereich tätig, wo das Business-Modell in kurzer Zeit schon wieder ganz anders ausschauen kann (Bsp. App-Entwicklung), wird es im Franchising sehr schwierig. Gastronomie ist z.B. demgegenüber sehr stabil, auch wenn es dort ebenfalls zu beachtende Strömungen gibt (Bsp. Vegan-Trend).

 

Wie kann der Franchisegeber mit Mehrfachbelastungen an verschiedenen Fronten umgehen?

Stefan sieht zwei Zielgruppen: Der Franchisenehmer und der Endkunde. Um mehrere Zielgruppen ansprechen und deren Bedürfnisse befriedigen zu können, benötige ich mehr Manpower, um es entsprechend abbilden zu können. Man benötigt ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen und das wird oft am Anfang unterschätzt.

Bei kleinen, jungen Franchisesystemen lohnt es sich, viel Zeit auf die ersten Franchisenehmer zu konzentrieren. Es geht darum zu lernen, denn natürlich geht zu Beginn sehr viel schief. Wenn man es detailliert mitbekommt, kann man es systematisieren.

Wächst das Franchisesystem auf 20, 30, 40 Franchisepartner, braucht es irgendwann professionelle Partnerbetreuer, die sich darauf konzentrieren können. Der Franchisegeber wechselt seine Perspektive primär auf die Systemzentrale und wie sie funktioniert.

 

Wie kann eine Systemzentrale mit wenigen Partnern ihre Finanzen am besten organisieren?

Der Einkommensstrom einer Systemzentrale steigt erst mit zunehmender Anzahl an Franchisepartnern. Das ist logisch, da das Einkommen meist aus Einstiegsgebühren, Franchisegebühren und etwaigen Einkaufsvorteilen entsteht.

Gleichzeitig erfordern gerade am Anfang Markenaufbau, Systemaufbau, Verträge, Handbücher & Co einen hohen Aufwand, um überhaupt ins Franchising einsteigen zu können. Das wird sich anfänglich nicht über die Einnahmen decken. Erfahrungsgemäß deckt es sich erst ab ungefähr 25 Franchisenehmern im Netzwerk.

Die entscheidenden Fragen lauten also:

  1. Wie schaffe ich es möglichst schnell 25 gute (!) Franchisenehmer zu finden, damit sich das System trägt?
  2. Wie finanziere ich diese 2 bis 3 Jahre, bis ich an diesem Ziel angelangt bin?
  3. Was kann ich im Vorfeld tun, um dies mit Investoren oder auf anderem Wege abzusichern?

Tue ich das nicht, bin ich ständig knapp bei Kasse und kann die Leistung nicht erbringen, die von mir erwartet wird. Das führt zu Problemen und erschwert die Akquise neuer Franchisepartner.

 

Mein einer Tipp: Wirklich realistisch ausrechnen, wieviel Kohle brauche ich, um zu diesen 25 Franchisenehmern zu kommen und die Finanzierung möglichst im Vorfeld zu sichern.

Was sollten gestandene Franchisegeber im Hinblick auf Ihre Finanzen beachten?

Die finanzielle Reichweite ist die zentrale Kennzahl. Gehen alle Umsätze und Verkäufe auf 0 zurück, wie lange überlebt das Unternehmen dann noch in Tagen, Wochen oder Monaten?

Unter 2-3 Monaten ist Alarmstufe rot und man ist in der totalen Unfreiheit. So würde ein Franchisegeber z.B. dazu tendieren, einen Franchisekandidaten aufzunehmen, obwohl ihn sein Bauchgefühl eigentlich warnt.

Wirkliche Freiheit eigene Entscheidungen treffen zu können entsteht ab einer finanziellen Reichweite von 6 Monaten. Das haben allerdings die wenigsten Unternehmer, egal ob klassisch oder im Franchising. Häufig kommt als Begründung „das geht nicht, weil…“.

Es zählt anzufangen, indem monatlich Rücklagen gebildet werden. Dabei kann man mit einem Euro anfangen und jeden Monat verdoppeln, bis es nicht mehr geht. Dieser Punkt wird bei deutlich mehr als 10 Euro im Monat erreicht sein.

 

Wo sollten die Rücklagen zur finanziellen Reichweite abgelegt werden?

Schnell verfügbar auf ein Tagesgeldkonto.

Ist eine Reichweite von 4, 5 oder 6 Monaten erreicht, kann ein kleinerer Teil auch anders angelegt werden. Sei es Aktien, ETFs oder ähnlich. Aber nur ein Teil, weil dieses Geld Sicherheit für das Unternehmen darstellt. Sicher ist es nicht, wenn ich das Geld gerade dann brauche, wenn die Börsen gerade am Boden sind.

 

Wie wird die finanzielle Reichweite ermittelt?

Durch Erfassung des Kontostands und Blick auf den verfügbaren Kontokorrent ergibt sich ein insgesamt verfügbarer finanzieller Spielraum. Dann betrachtet man die durchschnittlichen Kosten der letzten Monate ohne Wareneinsatz. Anschließend wird der identifizierte Spielraum durch die ermittelten Durchschnittskosten pro Monat geteilt und man erhält die finanzielle Reichweite in Monaten. Das ist das einfache Verfahren als Idee. Ggf. können dann noch weitere Faktoren wie Immobilien & Co. hinzugenommen werden.

 

Welche Hilfestellung sollte ein Franchisegeber seinen neuen Franchisepartnern mitgeben?

Im Franchising gibt es völlig unterschiedliche Unternehmensarten. Vom Solo-Selbstständigen bis zum Unternehmer mit Managementtätigkeit und vielen Mitarbeitern.

Beim Solo-Franchisenehmer geht es in der Regel vor allem um Verkauf & Netzwerk. Hier kann ihm der Franchisegeber wertvolle Hilfestellung geben, um ihn zu befähigen einen wertvollen Kundenstamm aufzubauen.

Der Franchisenehmer mit vielen Mitarbeitern dagegen sollte nicht als Fachkraft „die Burger selber braten“, sondern mit der Systembrille auf sein Unternehmen schauen. Wie kann ich mein System [Anm.: in diesem Fall ist der einzelne Franchisenehmer-Betrieb gemeint] so aufbauen, dass ich eine finanzielle Reichweite von 6 Monaten erreichen kann?

Das hat Auswirkungen auf Führung und Unternehmenssteuerung und hier kann der Franchisegeber unterstützend helfen.

 

Wie kann man Franchisenehmern helfen, mit ihren Finanzen umzugehen?

 „Ich würde, ganz ehrlich, den Franchisenehmern in beiden Fällen beibringen, wie sie mit ihren Privatfinanzen umgehen können. Sprich, regelmäßig vom Einkommen 10% zu sparen. Wenn sich das Einkommen erhöht, dann von der Erhöhung nochmal 50%.“

Bodo Schäfer ist an der Stelle vorbild mit drei Zielgrößen:

– finanzieller Schutz: Von dem Geld leben zu können

– finanzielle Sicherheit: So viel Kapital zu haben, dass ich aus den Erträgen leben kann

– finanzielle Freiheit: Aus den Erträgen alle Wünsche erfüllen können

 

Wenn Menschen gelernt haben, mit ihren Privatfinanzen auf eine vernünftige Weise umzugehen, dann überträgt sich das auf das Unternehmen.

 

SHOWNOTES

Website von Stefan Merath, Unternehmercoach

Gratis E-Book von Stefan Merath zum Thema Finanzen

Buch: Bodo Schäfer – der Weg zur finanziellen Freiheit

Buch: Stefan Merath – Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer

Schickt mir gerne eure Gedanken zu diesem Thema an steffen@franchiseuniversum.de