Ratgeber & Podcast

für Franchisezentralen

Controlling & Benchmarking als Kompass im Franchising

Susanne Berger: Herzlich
Willkommen zum First Franchise Friday mit dem Thema „Controlling &
Benchmarking“. Auch allgemeine Fragen zum Thema Franchising beantworte ich Ihnen
gerne. Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion mit Ihnen. Ihre Susanne
Berger

Leser: Guten Morgen, Frau Berger: Was genau
ist unter Benchmarking zu verstehen und wie ist die Vorgehensweise?

Susanne Berger: Hallo, Benchmarking
heißt „von den Besten zu lernen“ und dies können wir im Franchising sehr
einfach. Durch Betriebsvergleich innerhalb des Franchise-Systems (der
Gruppe)können die Franchise-Nehmer untereinander von den Besten lernen. Dies ist
als „Einzelkämpfer“ schwer möglich, da ich hier zum Mitbewerb gehen müssten.
Jeder Franchise-Geber sollte in angepassten Zeitabständen (Monat, Quartal,
Halbjahr, JAhr) Auswertungen über die betriebswirtschaftlichen sowie auch
vertriebstechnischen Erfolgsfaktoren seiner Franchise-Nehmer Gruppenauswertungen
erstellen und diese als Grundlage in der Partner-Betreuung verwenden.

Leser: Wie identifiziert man die für
Benchmarking entscheidenden Geschäftsprozesse im Unternehmen ?

Susanne Berger: Guten Tag, entscheidend
für das Benchmarking in Franchise-Systeme sind vergleichbare Erfolgsfaktoren,
also diese „Schrauben“ an deren durch die Unterstützung und das Know-how aus der
Franchise-Zentrale „gedreht“ werden kann. Diese Erfolgsfaktoren kommen vorallem
aus dem Marketing- und Vertriebskonzept und den weiteren wichtigsten
betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Um Umsatz jedoch zu erreichen, müssen wir
im Vertrieb und Marketing etwas tun. Daher ist es gerade im Benchmarking so
wichtig, dass wir auch Erfolgfaktoren zur Umsetzung des Marketing- und
Vertriebskonzeptes in der Gruppe vergleichen.

Leser: Beschränkt sich das Benchmarking auf
direkte Mitbewerber oder werden auch branchenfremde Unternehmen einbezogen?

Susanne Berger: Hallo, im Franchising
liegt der Schwerpunkt im Benchmarking im regelmäßigen Vergleich der
Franchise-Nehmer innerhalb des Systems. Sicher werden auch einmal jährlich
Vergleiche mit dem Mitbewerb erstellt. Vergleiche mit branchenfremde Unternehmen
ist eher selten. Hier kommt es auf die definierten Erfolgsfaktoren an, ob diese
auch von anderen Unternehmen interessant sind.

Leser: Wer sollte im Unternehmen für
Benchmarking zuständig sein? Ist es Chefsache oder muss ein Controller dafür
eingestellt werden?

Susanne Berger: Guten Tag, Frau Michel,
es muss nicht Chefsache sein und kann gut an einen Controller abgegeben werden.
Da Franchise-Zentrale oft sehr klein sind, ist es hier jedoch oft Chefsache oder
auch die Mitaufgabe des Partner-Managers, der dann die Auswertung auch für die
Betreuung der Franchise-Nehmer verwendet. Je nach Ausmass des Controlling,
sprich in welchen Zeitabständen wird es durchgeführt, wieviele Kennzahlen werden
erfasst und analysiert, ist ein eigenständige Position notwendig. Aus unserer
Erfahrung kennen wir dies jedoch nur aus Konzern-Franchise-Systemen. Im
Controlling und Benchmarking ist oft weniger mehr.

Leser: Sieht das Benchmarking-Konzept vor,
auch aus Fehlern anderer Unternehmen zu lernen oder werden nur Stärken
ermittelt?

Susanne Berger: Guten Tag Frau Michel,
in einem Gruppenvergleich in Franchise-Systemen werden sicher beides, also
Stärken und Schwächen analysiert. Allerdings empfehlen wir unseren Kunden, die
erfolgreichen Franchise-Nehmer mit den schwächeren Franchise-Nehmern in Kontakt
zu bringen, um am guten Beispiel zu lernen. In der Partner-Betreuung durch den
Partner-Manager werden sicher auch die Schwächen angesprochen, denn hier muss ja
auch von seitens der Franchise-Zentrale Massnahmen zur Unterstützung festgelegt
werden.

Leser: Ich möchte jene Funktionen
herausfinden, mit denen ich unser System besonders wirksam von Konkurrenten
differenzieren kann. Können Sie mir einen Tipp geben?

Susanne Berger: Guten Tag Herr
Browning, Controlling und Benchmarking ist ja vorallem ein Steuerungsinstrument,
welches „intern“ verwendet wird. So wie ich Ihre Frage verstehe, möchten Sie ja
nach aussen Ihr System so am Markt plazieren, dass Ihre Vorsprungsmerkmale den
Kunden bekannt sind. Hierzu ist es besonders wichtig zur Marke einen Slogan zu
kreiieren, der sich in den Köpfen der Kunden festsetzt und punktgenau Ihre
Funktionen darstellen. Hierzu würde ich Ihnen einen Experten für das
„Marken-Branding“ empfehlen. Unter der Webadresse www.michaelbrandtner.com
finden Sie hierzu einige Informationen.

Leser: wenn franchisenehmer verglichen werden,
gibt es unterschiede zu international tätigen `franchisenehmern? ist so ein
benchmarking grenzüberschreitend anwendbar?

Susanne Berger: Guten Tag, sicher ist
auch ein Vergleich zwischen Franchise-Nehmern in verschiedenen Ländern sinnvoll.
Es gibt in einem Franchise-System immer wieder viele Erfolgsfaktoren (z.B.
Anzahl der Mailings, Anzahl der Kundenbesuche) die sicher von jedem
Franchise-Nehmer gleich umgesetzt werden sollten.

Leser: Gehört das Benchmarking in den
Franchise-Vertrag oder sind die Franchise-Nehmer i.d.R. interessiert, an solchen
Vergleichen teilzunehmen?

Susanne Berger: Hallo Frau Michel,
einer der wichtigsten Punkte für das Controlling & Benchmarking in
Franchise-Systemen ist, dass Sie als Franchise-Geber einen Nutzen für den
Franchise-Nehmer schaffen, den er alleine nicht hätte, also z.B. die Vergleich
in der Gruppe. In der Regel ist im Vertrag festgelegt, dass Controlling und
Benchmarking durchgeführt wird, im Handbuch wird dann definiert, wie es
durchgeführt wird und bis wann welche Zahlen geliefert bzw. welche Auswertungen
zurückgeliefert werden.

Leser: Welchen Bereiche haben im Franchising
nach Ihrer Erfahrung den größten Spielraum für Verbesserungen?

Susanne Berger: Guten Tag, hier ist zu
klären, ob die Verbesserungen in der Franchise-Zentrale gemeint sind, oder beim
Franchise-Nehmer. Verbesserungen müssen aus meiner Sicht dort durchgeführt
werden, wo sie direkten Einfluß auf den Erfolg des Franchise-Nehmers haben, denn
Franchising bedeutet ja: Partnerschaft für gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg.
Das höchste Ziel des Franchise-Gebers muss es sein, den Franchise-Nehmer so
erfolgreich wie möglich zu machen.

Leser: Welche Prognoseinstrumente (z.B.
Zeitreihenanalyse, Delhi-Methode, Früherkennungssysteme, Szenario-Technik) des
Controlling sind in KMUs mit vertretbarem Aufwand einsetzbar?

Susanne Berger: Guten Tag, mir fällt es
schwer hier eine Pauschalaussage zu tätigen. Aus meiner Sicht ist es von dem
jeweiligen Unternehmen abhängig. Bei unseren Kunden werden i.d.R. einmal
monatlich 3-4 verschiedene Auswertungen (Zeitreihenanalysen,
Plan-/Ist-Vergleiche, Positionierungen) an den Franchise-Nehmer zurückgeliefert.
Es muss realisitisch zur Größe und zum Aufwand stehen. Eine Auswertung, die in
dem entsprechenden Zeitraum nicht analysiert werden kann und von denen keine
Massnahmen abgeleitet und festgelegt werden, mussen aus meiner Sicht nicht
erstellt werden. In manchen Franchise-Systemen werden dann zum JAhresende
nochmals spezielle Auswertungen erstellt. Auch darf man die Franchise-Nehmer mit
komplizierten Auswertungen nicht überfrachten.

Leser: Guten Tag, gibt es für den asiatischen
Markt bereits erfolgreich durchgeführte öffentliche Studien zum Thema
Benchmarking? Mich interessieren vor allem Studien zum Thema Systemgastronomie
in China. Würde mich gern auf dem chinesischen Markt etablieren und mich
selbstverständlich auf die Stärken konzentrieren. Vielen DAnk.

Susanne Berger: Guten Tag, leider kann
ich Ihnen dazu keine Antwort geben. Ich möchte Sie jedoch bitten, dass Sie sich
an die Initiative des DFV „Franchise-Pool International“. Dieser beschäftigt
sich derzeit Schwerpunktmäßig mit dem asiatischen Raum. (Morgen beginnt auch die
Franchise-Messe in China.). Unter der Webadresse www.franchisepool.org finden
Sie die Ansprechpartner.

Leser: Ich habe in England studiert und frage
mich, inwieweit sich ‚Controlling’ von dem mir geläufigeren Begriff des
‚Auditing’ unterscheidet?

Susanne Berger: Guten Tag, wir
übersetzen Controlling mit „Steuern“. Auditing hat noch mehr von Prüfung. Es
soll jedoch die Grundlage zur Steuerung und zur Früherkennung von Abweichungen
aus dem Plan darstellen.

Leser: Wenn es das größte Ziel des FG sein
sollte, den FN erfolgreich machen zu wollen. Was soll man von
Franchisesystemgebern halten, die simultan oder innerhalb sehr kurzer Zeit
Pilotbetriebe im Ausland eröffnen und keinerlei Unterstützung bieten in Bezug
auf Werbung? und entspricht es der Praxis, dass man ein in deutschland bewährtes
Konzept detailgetreu im Ausland umsetzt ohne Modifiaktion. und ist es üblich,
dass Franchisehandbücher bezüglich Inneneinrichtung ungenau Daten liefern, die
man später käuflich erwerben muss?

Susanne Berger: Guten Tag, wir raten
unseren Kunden das Franchise-System immer erst in einem Land erfolgreich
umzusetzten. Dies schafft eine gute Rückendeckung für die Expansion ins Ausland.
Sicher können jedoch auch Umstände oder Erkenntnisse dazu führen, dass der
Franchise-Geber die Expansion ins Ausland eher angeht. Dabei sollt er natürlich
die bestehenden Franchise-Nehmer in seinem Ursprungsland nicht vergessen. Bei
der Übertragung eines Konzeptes in ein anderes Land ist meistens eine Anpassung
notwendig. Diese kann nur sehr gering sein, vorallem dann wenn schon einmal die
Sprache gleich ist. Jedoch sind die sozialpolitischen und kulturellen
Bedingungen meist anders. Und dies kann schon bei der Beantragung eines
Gewerbescheins losgehen. Ist es auch noch eine andere Sprache ist natürlich hier
mehr Aufwand nötig. Wenn der Franchise-Geber für die Expansion jedoch einen
weiteren Pilotbetrieb in diesem Land eröffnet, finde ich dies sehr positiv. Zur
Ihrer Frage der Inneneinrichtung: Im Franchise-Handbuch sollte schon beschrieben
sein, wir das Outlet ausgestattet werden muss/sollte (je nach System und
Vertrag). In vielen Fällen existiert ein gesondertes Einrichtungs- und
Ausstattungs-Handbuch oder Konzept, welches Teil des Franchise-Handbuches ist
und aus meiner Erfahrung nicht zusätzlich etwas kosten darf. Ich habe jedoch den
Eindruck, dass Sie mit Ihrem Franchise-Geber nicht besonders zufrieden sind,
daher schlage ich IHnen vor, sich an die Franchise-Verbände (DFV, ÖFV, SFV) zu
wenden. Diese sind Ihnen gerne bei der Beurteilung eines Franchise-Systems
behilflich und vertreten auch das seriöse Franchising.

Leser: Noch eine allgemeine Frage: ist es in
der Praxis üblich die laufende Franchisegebühr mit einer Mindestgebühr zu
koppeln?

Susanne Berger: Guten Tag, ab wann wird
etwas üblich?? Aber durchaus kommt dies in verschiedenen Franchise-Systeme vor,
dass es sozusagen eine monatliche Mindesgebühr gibt und einen weiterer Teil
abhängig vom Umsatz ist.

Leser: Welche Steuerungsinstrumente (z.B.
Portfolio-Methoden, Strategische Geschäftsfeldkurven, Kennzahlensysteme,
Scoring-Modelle, Zero-Base-Budgeting) des Controlling sind in KMUs mit
vertretbarem Aufwand einsetzbar?

Susanne Berger: Guten Tag, hier möchte
ich Sie auf meine Antwort von vorhin verweisen. Dies kann schwer pauschal
beurteilt werden. Ein KMU mit 5 Mitarbeiter wird einen anderen Aufwand im
Controlling & Benchmarking betreiben, als ein KMU mit 400 Mitarbeitern.
Welche Steuerungsinstrumente eingesetzt werden, hängt auch davon ab, welche
Aussagen benötigt werden und welche Erfolgsfaktoren in diesem Unternehmen
wichtig sind. Vor der Einführung von Controlling-Instrumenten ist es unbedingt
notwendig die Erfolgsfaktoren zu erarbeiten und festzulegen, welche Aussagen
benötigt werden. Danach kann das passende Instrumente dazu gesucht werden.

Leser: Noch eine allgemeine Frage: Das
Franchiserecht hat gesetzlich noch keine Verankerung gefunden. Entspricht es der
Praxis, alles ist erlaubt bzw. vertraglich vereinbar?

Susanne Berger: Guten Tag, als
rechtliche Grundlage wird im Franchising die GVO= Gruppenfreistellungsverordnung
für vertikale Vertriebssysteme angewandt. HIer ist z.B. festgelegt, dass es eine
entsprechende Know-how Dokumentation geben muss. Weiters haben sich die
Europäischen Franchise-Verbände auf einen sogenannten Ehtikkodex geeinigt. Hier
haben sie weiter festgelegt, was seriöses Franchising bedeutet. Daher ist es
sollten Sie bei der Auswahl eines Franchise-Systems darauf achten, dass sich
dies dem europäischen Ethikkodex angeschlossen hat. Detaillierte Infos finden
Sie dazu bei den Verbänden, z.b. unter www.dfv-franchise.de oder
www.franchise.at. Dort finden Sie auch Rechtsanwälte genannt, die sich im
speziellen mit Franchising beschäftigen.

Leser: Welche Gemeinsamkeiten müssen
Unternehmen aufweisen, die ins Benchmarking einbezogen werden?

Susanne Berger: Hallo Frau Michel, Sie
müssen vergleichbare Erfolgsfaktoren zwischen den zu vergleichen Unternehmen
finden. Innerhalb des Franchise-Systems ist dies sehr einfach. Wenn Sie sich mit
einem Unternehmen (z.B. Mitbewerb) vergleichen möchten, müssen Sie auch ein oder
mehrere Erfolgsfaktoren finden, die bei Ihnen gleich sind. Das muss nicht nur
Umsatz und Kosten sein. Denken Sie hier auch an Vertriebskennzahlen (z.B. Anzahl
der Kunden, Verlgeich der Öffnungszeiten, Anzahl der Mitarbeiter, etc,)

Leser: Sind die Beratungsleistungen der
genannten Institutionen entgeltpflichtig oder mit einer Mitgliedschaft
verbunden? Bin Studentin und schreibe gerade meine Diplomarbeit und kann sowas
bestimmt nicht bezahlen.

Susanne Berger: Guten Tag, die
Beratungsleistungen der Franchise-Verbände sind für Studenten meist kostenfrei.
Auch der Franchise Pool International wird Sie soweit wie möglich kostenfrei
unterstützen. Bitte fragen Sie dies im Detail direkt bei den Institutionen an,
da ich nicht für diese sprechen kann.

Leser: Erfolgt die Bewertung der Unternehmen
bzw. Partner im Rahmen des Benchmarking in anonymisierter Form?

Susanne Berger: Hallo Frau Michel, der
Vergleich im Controlling und Benchmarking sollte im anonymer Form erfolgen. Es
kann sein, dass sich die Franchise-Nehmer (!! nicht der Franchise-Geber) darauf
einigen, nach einer gewissen Zeit und einem erfolgreichen Controlling darauf
einigen, die Anonymität aufzuheben. Achten Sie bitte dann aber darauf, dass Sie
von jedem Franchise-Nehmer eine extra dafür abgestimmte Einwilligungserklärung
haben, damit es keinen Ärger mit dem Datenschutz gibt. Insgesamt wäre ich aber
mit der Aufhebung der Anonymität sehr vorsichtig, denn wenn es einmal Ärger mit
einem Franchise-Nehmer geben sollte, dann könnte dies ein strittiger Punkt
werden.

Leser: Welches Vorgehen empfehlen Sie zur
Überprüfung der Kundenzufriedenheit? Ist dies Teil des Benchmarking?

Susanne Berger: Guten Tag, sicher ist
die Kundenzufriedenheit auch ein Erfolgsfaktor des Systems und damit auch für
den Vergleich in der Gruppe sehr gut geeignet. Hier kann in der Analyse sehr gut
von dem „Besten“ gelernt werden und die Frage gestellt werden „Was macht der/die
anders“. Zur Überprüfung der Kundenzufriedenheit gibt es verschiedene Wege: für
ein Laden oder Gastronomiekonzept würde ich z.B. Mystery-Shopping empfehlen, für
ein Dienstleistungsunternehmen wäre eine Kundenbefragung per Fragebogen (z.B.
bei jeder Rechnung „Waren Sie zufrieden mit unserer Leistung…“) oder einer
Online-Bewertung auf der Website ein Mögichkeit.

Leser: Gibt es elektronische Tools, die uns
bei der Sammlung und Aufbereitung der entscheidenden Daten helfen können? Was
empfehlen Sie?

Susanne Berger: Hallo, die SYNCON
Gruppe hat schon vor vielen Jahren ein Controlling-Tool für Franchise-Systeme
entwickelt, welches Sie in einer Demoversion auf der Website
www.syncon-international.com im Shop kostenlos downloaden können. In anderen
Franchise-Systeme wird das Controlling oft mit den einfachsten Wege und Excel
erstellt, andere verwenden Programmmodule ihrer Warenwirtschafts- oder
Kassensysteme.

Leser: Vielen Dank, Frau Berger, für die
direkte Beantwortung meiner etwas abweichenden Fragen. Es war mir eine Freude
ganz kurz Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben.

Susanne Berger: Gerne habe ich das für
Sie gemacht und hoffe Ihnen damit weitergeholfen zu haben. Viel Erfolg
weiterhin.

Leser: Läuft man mit Benchmarking nicht
Gefahr, das eigene Konzept zu verwässern? Wenn man selbst stark
service-orientiert ausgerichtet ist, würde es doch in die Irre führen, wenn man
sich mit einem Unternehmen vergleicht, das die Kostenführung (z.B. ALDI)
beansprucht.

Susanne Berger: Guten Tag, wenn aber
z.B. ALDI sein Konzept über die Kostenführung führt und Sie eher ein
servie-orientiertes Unternehmen sind, ist es auch kein direkter Mitbewerb für
Sie. Es kann jedoch sein, dass es andere Erfolgsfaktoren gibt, z.B. „warum gehen
die Kunden zu ALDI und nicht zu mir“ zum Vergleich interessant sind. Damit
könnten Sie für sich den schwerpunkt Ihres Unternehmens evtl. am Markt
deutlicher und besser positionieren, um dem Kunden auch Ihren Vorteil klar
darzustellen.

Leser: welches sind aus ihrer sicht die
größten hemmnisse für eine beschleunigte expansion der franchise-wirtschaft ?

Susanne Berger: Guten Tag, in den
meisten Fällen ist leider immer noch die Finanzierung und die Verhandlungen mit
der Bank das größte Hemmnis für die Expansion. Der DFV führt dazu gerade eine
sehr gute Kamapgne durch. Aber auch aus unserer Sicht es es so wichtig, dass der
Franchise-Geber den Franchise-Nehmer bei der gute Vorbereitung für die Bank
unterstützt (z.b. Bankenmappe, wirtschaftliche Musterrechnung mit
Haftungsausschluss, Businessplan, etc.).

Leser: wie wird sich das franchising in den
nächsten jahrzehnten verändern ? gibt es irgendwelche trends, die heute bereits
erkennbar sind ?

Susanne Berger: Guten Tag, das
Franchising hat sich in den letzten 10 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.
Es gab keine übermäßigen Spitzen, es gab aber auch keine Einbrüche. Durch die
aktive und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit der Franchise-Verbände erhält
Franchising immer ein noch positivere Besetzung. Die aus meiner Sicht
erkennbaren Trends liegen vorallem in der Qualitätsoffensive der Systeme und in
der Umstellung von Filialsysteme zu Franchise-Systemen. Es wird jedoch derzeit
immer stärker darauf geachtet, dass die Qualitätsstandards und die dazugehörigen
-instrumente in den Franchise-System stark weiterentwickelt und mehr denn je
verwendet werden.

Leser: in welchen branchen werden
franchise-systeme in den nächsten jahren besonders erfolgreich sein ?

Susanne Berger: Guten Tag, gerade der
Dienstleistungssektor im Franchising wächst stetig. Erfolgreich werden alle
Franchise-Systeme sein, egal welcher Bereich, die seriös und qualitativ
hochwertig arbeiten.

Leser: Was würden Sie als die
Software–Grundausstattung einer Franchise-Zentrale ansehen? Können Sie in diesem
Zusammenhang Empfehlungen aussprechen?

Susanne Berger: Guten Tag, leider gibt
es keine „Eierlegende-Wollmilchs..“ für Franchise-Systeme :-)) Die Ausstattung
einer Franchise-Zentrale ist auch wieder sehr von der Größe und des
Geschäftskonzeptes abhängig. In den meisten Fällen wird ein operatives EDV-Tool
für die Franchise-Nehmer benötigt, wie z.B. ein Kasssensystem, ein
Warenwirtschaftssysten, ein CRM-System o.ä.. Daraus ergibt sich dann auch die
weitere Ausstattung der Franchsie-Zentrale. Oft reicht dazu eine Standard-Office
Ausstattung aus. Es sollte darauf geachtet werden, vorallem wenn es eine kleine
Franchise-Zentrale ist, dass so etwas wie der Webserver oder auch Intranetserver
durchaus in einem Rechenzentrum oder bei einem Provider gehostet wird. Damit
sparen Sie sich in der Franchise-Zentrale viel Aufwand mit der Administration
(Backup, Wartung, etc.). Denken Sie auch an dieser Stelle an die Arbeitsteilung
mit Spezialisten. Damit können Sie sich die Franchise-Zentrale klein und fein
halten.

Leser: Benchmarking wird häufig in einem
Atemzug mit „balanced scorecards“ genannt. Wie hängt beides zusammen?

Susanne Berger: Guten Tag, „Balanced
Scorecards“ ist eine Möglichkeit des Benchmarking und passiert auf 4 Säulen:
Finanzen – Prozesse – Mitarbeiter – Kunden. Aus diesen Bereichen werden
Erfolgsfaktoren erarbeitet und verglichen. In Franchise-Systemen kann die Säule
Mitarbeiter gut durch Franchise-Nehmer ersetzt werden.

Leser: Welche Ratschläge erteilen Sie einem
künftigen Franchise-Geber, der demnächst die Aufbau- und Ablauforganisation
seines Unternehmens in Angriff nehmen will?

Susanne Berger: Guten Tag, wir
empfehlen Ihnen an dieser Stelle die Prozesse in der Franchise-Zentrale zu
erarbeiten. Ihr erster Schritt war ja sicher, das Franchise-Handbuch für Ihre
Franchise-Nehmer zu erstellen. Hier haben Sie festgehalten, was der
Franchise-Nehmer alles tun muss. Nun müssen Sie festlegen, was in der
Franchise-Zentrale alles zu tun ist, z.B. wenn ein Vertrag unterzeichnet ist,
wenn die Jahrestagung zu organisieren, wie die
Produkt/Dienstleistungs-Weiterentwicklung voran geht und wer was in der
Franchise-Zentrale erledigt. Gerne können wir Ihnen dazu ein Angebot erstellen.
Bitte nehmen Sie dazu per Mail mit mir Kontakt auf.

Leser: In welchen Schritten sollte
Controlling-Instrumente in Franchise-Unternehmen eingeführt werden? Ich nehme
an, dass die von Ihnen erwähnte Einführung des Berichtswesens die Grundlage
darstellt.

Susanne Berger: Guten Tag, Frau Michel,
vor der Einführung eines Controlling steht die Erarbeitung und Festlegung Ihrer
Erfolgsfaktoren. Erfahrungsgemäß kommen da immer weit mehr heraus, als Sie
später im Controlling analyisieren können. Dahaer müssen Sie sich auf die
wichtigsten 10-20 Erfolgsfaktoren Ihres Systems beschränken. Der zweite Step ist
die Überlegung, wie Sie die Daten der Franchise-Nehmer erhalten. Dies kann über
das Warenwirtschaftssystem, Kassensystem, CRM oder über ein einfaches Formular
in Ihrem Intranet sein. Zeitgleich können Sie sich dann überlegen, wie die
Umsetzung in der Franchise-Zentrale (Tool, Zeitrhythmus, etc.) ablaufen kann.
Und welche Auswertungen (=Berichte) Sie den Franchise-Nehmern und Ihren
Partner-Managern für die Betreuung an die Hand geben möchten. Vergessen Sie
bitte nicht, dass eine Auswertung auch analysiert werden muss und entsprechende
Massnahmen für den weiteren Erfolg mit dem Franchise-Nehmer festgelegt werden
müssen. Dies heißt, dass der Partner-Manager diese Berichte als Grundlage
verwendet.

Leser: Danke für Ihr freundliches Angebot, auf
das ich gerne demnächst zurückkomme. Doch noch eine Frage: Wie kann ich
systematisch das Wettbewerbsumfeld analysieren, um den jeweils akuten
Konkurrenzdruck zu ermitteln?

Susanne Berger: Guten Tag, meinen Sie
den Konkurrenzdruck, den Ihre Franchise-Nehmer haben? Beziehen Sie an dieser
Stelle Ihre Franchise-Nehmer mit ein. Durchaus ist es in Franchise-Systemen
üblich, dass einmal jährlich eine Wettbewerbsanalyse von jedem Franchise-Nehmer
erstellt wird. Dies kann dann in der Franchise-Zentrale zusammenfließen. Sicher
können auch Kundenbefragungen oder Mystery-Shopping zur Analyse beitragen.

Leser: Wie komme ich an Vergleichsdaten (z.B.
Kosten, Fluktuation etc.) von Konkurrenten heran? Gibt es Beratungsunternehmen,
die solche Daten für konkurrierende Unternehmen vertraulich aufbereiten?

Susanne Berger: Guten Tag, je nach Land
und Geschäftsform finden Sie schon viele Informationen in öffentlichen Bilanzen
(z.B. bei GmbHs). Aber es gibt auch Unternehmen, die mit Ihnen eine sogenannte
Standortanalyse mit den von Ihnen gewünschten Zahlen durchführen. Für Östereich
wäre dies vielleicht Regio Plan, www.regioplan.at, für Deutschland vielleicht
Geo-Marketing, www.geomarketing-gmbh.de. Weiters gibt es in Deutschland auch die
GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) wo Sie auch verschiedenen Studien zu
verschiedenen Bereichen erwerben können. Vielleicht finden Sie da schon die ein
oder andere interessante Zahl für Ihren Bereich.

Leser: Sollte der Aufgabenbereich des
Controllers das gesamte Rechnungswesen und damit auch Bereiche wie Statistik,
Budgetierung und Steuern umfassen?

Susanne Berger: Guten Tag, Frau Michel,
sicher ist dies eine gute Kombination der verschiedenen Aufgaben in einer
Franchise-Zentrale, die in der Funktion eines Controllers zusammengefasst werden
können.

Leser: Welche Service-Aufgaben gegenüber dem
Management hat der Controller?

Susanne Berger: Guten Tag, in manchen
Franchise-Systemen wird der Controller zu Beginn der Partnerschaft für die
Aufstellung der Wirtschafts- und Liquiditätsplanung herangezogen, da dies
oftmals ein Spezialthema ist, welches nicht unbedingt vom Partner-Manager
abgedeckt werden kann. Auch evtl. für eine jährliche Wirtschaftsplanung wird der
Controller herangezogen. Weiters bereitet er die Controllingsauswertung auf,
führt evtl. auch Voranalysen mit dem Partner-Manager durch und „präpariert“
damit diesen gut für das Gespräch beim Franchise-Nehmer.

Susanne Berger: Sehr geehrte
Teilnehmer, vielen Dank für die angeregte Diskussion. Ich hoffe, ich konnte
Ihnen an der ein oder anderen Stelle wichtige Informationen mitgeben. Ich
wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Susanne Berger
Susanne Berger
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