Ratgeber & Podcast

für Franchisezentralen

Marken im Greenfranchising

Thomas Matla: Guten Morgen liebe
Live Chat-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen. Der Markenaufbau und die Markenpflege
spielen zur Profilierung von Franchise-Systemen eine große Rolle. Nachhaltige
Franchise-Systeme stehen im Bereich des Markenaufbaus, des Marken-Managements
und der Marken-Kommunikation vor besonderen Herausforderungen, aber auch
Chancen. Hierüber möchte ich mich heute gern mit Ihnen austauschen und freue
mich auf Ihre Fragen.

Leser: Guten Morgen, lieber Herr Matla: Welche
Strahlkraft besitzt Franchising in der heutigen Form? Welche Weichen sollten
rechtzeitig gestellt werden?

Thomas Matla: Guten Morgen lieber
Chat-Teilnehmer und vielen Dank für Ihre Frage. Ich denke, dass Franchising eine
große Strahlkraft besitzt. Es wird schon heute und zukünftig verstärkt von immer
neuen Firmen aus neuen Bereichen entdeckt werden und zukünftig neue und
veränderte Anwendungsgebiete erobern. Weichenstellungen beziehen sich sicherlich
auf eine aufmerksame Beobachtung der im weltweiten Markt stattfindenden
Veränderungen.

Leser: Guten Tag Herr Matla. Für welche
gesellschaftlichen Bedürfnisse bieten Greenfranchise-Marken die passende
Antwort?

Thomas Matla: Greenfranchising bezieht
sich auf ökonomisch, ökologisch, kulturell und sozial verantwortlich und
nachhaltig agierende Franchise-Systeme. Diese können Bedürfnisse auf allen
Bedürfnisebenen, bezogen auf die Maslowsche Bedürfnispyramide,
befriedigen.

Leser: Hallo Herr Matla! Sollte eine
Markenpositionierung im Greenfranchising unterschiedliche Bedürfnisebenen
ansprechen oder sich für eine Ebene entscheiden?

Thomas Matla: Diese Frage lässt sich so
pauschal nicht beantworten. Es kommt natürlich darauf an, in welchen Bereichen
ein System tätig ist. Bieten Sie als ein Bäckerei-Franchise-System frische
Backwaren, sind Sie als ein Nachhilfe-Franchise im Bereich Wissensvermittlung
und Lernhilfe unterwegs oder handeln Sie zum Beispiel mit hochwertigen
Luxusgütern. Hier können ganz unterschiedliche Marken-Positionierungen und
Strategien gefordert sein. Generell befinden wir uns in einem Wettbewerb um die
Aufmerksamkeit der Konsumenten und Konsumentinnen. Je vielschichtiger Ihre
Marken-Positionierung und Messages ausgerichtet sind, je größer ist die Gefahr
nicht mehr richtig wahrgenommen zu werden, je mehr Budget kann zur Durchsetzung
Ihrer Positionierung notwendig sein.

Leser: Hallo! Hat die Orientierung an
Grundbedürfnissen nicht zur Folge, dass alle Unternehmen einer Branche ihre
Marken in ähnlicher Weise positionieren? Ich denke, bei jedem
Lebensmittelhändler dürfte die physiologische Grundversorgung und bei jedem
Seminaranbieter die Selbstverwirklichung im Vordergrund stehen.

Thomas Matla: Guten Tag und vielen Dank
für Ihre Frage. Das hört sich überzeugend an, was Sie sagen. Ist aber in der
Wirklichkeit vielschichtiger. Falls dem so wäre, wie Sie sagen, wären die
Chancen zur Markenpositionierung nicht ausgenutzt. Die Bedürfnispyramide bietet
ganz verschiedene Ebenen zur Marken-Positionierung, die je nach Markt, in dem
man tätig ist, genutzt werden können. Viele Marken beweisen, dass sie auch
genutzt werden.

Leser: Franchisesysteme richten sich zum einen
an die Abnehmer ihrer Produkte/Dienstleistungen und zum anderen an die Gründer.
Die primären Bedürfnisse dieser Zielgruppen dürften sich mitunter erheblich
unterscheiden. Wie lassen sich diese Unterschiede bei der Markenpositionierung
berücksichtigen, ohne das Markenprofil durch etwaige Widersprüche zu verwässern?

Thomas Matla: Warum glauben Sie, dass
die Bedürfnisse der beiden Märkte so unterschiedlich sind? Nehmen wir
Handelsunternehmen. Natürlich möchten Franchise-Nehmende geschäftlich
erfolgreich sein. Aber was zeichnet sie noch aus? Welche Bedürfnisse spielen für
sie noch eine Rolle? Meist eine viel wichtigere, weil langfristig wirkende?
Franchise-Nehmer/innen werden von Motiven getrieben, die sie dazu bringen, sich
für das Franchising zu entscheiden und zusätzlich für ein bestimmtes
Franchise-System. Was meinen Sie spielt hier eine Rolle? Nur der potenzielle
Umsatz und Gewinn? Die Sicherheit? Das soziale Miteinander im System? Auch hier
wirken eindeutig Motive, die sich auf der Bedürfnispyramide verorten lassen.
Stellen Sie sich jetzt vor, die Kunden und Kundinnen hätten ganz andere
Bedürfnisse, die sie durch das System-Angebot befriedigen wollen. Glauben Sie
das könnte funktionieren? Nach meinen Beobachtungen nicht lange, nicht
nachhaltig. Deshalb ist es so wichtig beide Märkte, die Partner/innen und Kunden
und Kundinnen sowie natürlich die Mitarbeitenden in der Systemzentrale und bei
den Franchise-Nehmenden nach diesen Motiven zu analysieren und danach auch
auszusuchen.

Leser: Sehr geehrter Herr Matla, welche neuen
Rahmenbedingungen werden die Marken im Franchising künftig maßgeblich prägen und
warum stellen Sie die grüne Thematik in den Vordergrund?

Thomas Matla: Guten Tag und auch Ihnen
vielen Dank für Ihre Frage. Wir, das heisst Frau Prof. Bellone und ich, haben
gerade in der aktuellen, gestern erschienen Ausgabe des Magazins „starting up“
einen längeren Beitrag dazu veröffentlicht. Aus unserer Sicht verändern sich die
Marken-Rahmenbedingungen weltweit zunehmend und unumkehrbar in Richtung
Nachhaltigkeit und technikgetrieben zu einem größeren und schnelleren Dialog
zwischen den Märkten. Unverantwortliches Handeln von Wirtschaftsunternehmen wird
dabei zusehends von Abnehmer-Märkten sanktioniert, entweder durch Ignorieren und
Abkehr oder durch Anprangerung, wie wir es oft in den sozialen Medien erleben.
Die „grüne Thematik“, die sich bei uns auf die vier Nachhaltigkeitsbereiche
Ökonomie, Ökologie, Kultur und Soziales bezieht, sehen wir einerseits als
Bedrohung für diejenigen Unternehmen, die nicht veränderungsbereit für die neuen
Nachfrage-Werte in den Märkten sind, gleichzeitig als große Chance für die
Unternehmen, die offensiv, bewusst und nachhaltig konsequent mit diesen Themen
umgehen. Gerade Franchise-Systeme haben durch ihre Erfolgskomponenten
Systematisierung, Standardisierung und schnelle Multiplikation die Möglichkeit,
erfolgreich den neuen Megatrend zu nutzen.

Leser: Sie sprachen einleitend die besonderen
Herausforderungen im Bereich des Markenaufbaus, des Marken-Managements und der
Marken-Kommunikation an, vor denen nachhaltige Franchise-Systeme stehen. Könnten
Sie einige Beispiele nennen?

Thomas Matla: Gerade bei der
vorhergehenden Frage bin ich auf die kritischen Marktteilnehmer/innen
eingegangen, die nicht gesellschaftskompatibles Verhalten von
Wirtschaftsunternehmen aktiv angehen und in sozialen Medien anprangern. Nun
bemerke ich bei Franchise-Systemen, die Gutes tun wollen und ihr System
entsprechend umgestalten, die Angst, kritisiert zu werden, weil doch noch nicht
genug getan wurde. Hier bedarf es neuer Kompetenzen in der Markenkommunikation.
Einerseits ist die Fähigkeit gefordert glaubwürdig zu kommunizieren, was ein
Unternehmen tut, was es bisher dabei erreicht hat und wohin es als nächstes
will. Glaubwürdigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit, aber auch Professionalität sind
hier in der Kommunikation gefordert. Etwas, womit Franchise-Systeme oft noch
Schwierigkeiten haben. Denn, wer soll diese Unternehmenskommunikation in der
Franchise-Zentrale realisieren? Als nächstes ist die Frage, ob die Systeme
Kommunikations-Richtlinien für den Umgang mit Medien und deren Anfragen
erarbeitet haben und ob alle davon wissen. Ist Kommunikation in der
Franchise-Akademie ein Thema? Dann die Frage, wie wird in Krisenzeiten
kommuniziert. Gibt es hier Leitlinien, sind organisatorische Fragen geklärt?
Wann darf wer zum Beispiel auf Twitter Stellung nehmen?
Markenkommunikationsaufgaben sind mitunter komplex und schnell zu erledigen, wie
ich in meiner 10-jährigen Werbeagenturzeit täglich realisieren durfte. Hier
herrscht glaube ich noch nicht in allen Unternehmen das nötige Bewusstsein und
die notwendigen Kommunikationsvorkehrungen, wie ich in Gesprächen und Vorträgen
oft bemerke.

Leser: Welche Konsequenzen hätte eine
Positionierung im Greenfranchising für unsere künftige Partnerauswahl? Und
müssten wir uns von allen bestehenden Mitarbeitern, Franchisenehmern und
Lieferanten trennen, die unsere neuen Erkenntnisse nicht teilen?

Thomas Matla: Vielen Dank für Ihre
Frage. Ich empfehle sehr dringend, in dem Feld der unternehmerischen
Nachhaltigkeit keine Hektik, Panik oder Hysterie aufkommen zu lassen. Ja,
unternehmerische Nachhaltigkeit ist gefordert, ohne sie wird es zukünftig
schwer. Es gibt bereits Handelsunternehmen, die sich nicht mehr erlauben können,
ungeprüfte und nicht zertifizierte Zulieferer mit deren Produkten zu listen. Und
ja, für einige Unternehmen wird es langsam eng, wenn sie diese Veränderungen in
ihren Märkten nicht wahrnehmen wollen und weiterhin bewusst ignorieren. Und
nochmals ja, Nachhaltigkeit sollte konsistent in allen Unternehmens-Bereichen
(Brand Marketing) und von allen Partner/innen und Mitarbeitenden gelebt werden.
Diese sind die Kulturbotschafter/innen des Systems. Aber, es braucht eine
saubere Analyse, eine klare Strategie und ein zeitlich bewusst terminiertes
Vorgehen. Hektische Kurzfristentscheidungen führen nicht ans Ziel. Bedenken Sie,
dass eine heute abrupt realisierte Entscheidung zugunsten eines
Nachhaltigkeitsbereiches morgen dazu führen kann, dass ein anderer leidet,
schlimmstenfalls Ihre wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Hier ist auch
unternehmerisches Augenmass gefordert und ein gesamtheitlich gesundes
Wachstum.

Leser: Es wäre sicher wünschenswert, dass
Franchise-Nehmer die Grundbedürfnisse ihrer Kunden teilen. Wie aber finden
Franchise-Geber die Grundbedürfnisse potentieller Partner heraus, die über
materielle Bedürfnisse hinausgehen? Sind die meisten Franchise-Geber nicht froh
über jeden neuen Lizenzpartner, der ihre Mindestanforderungen erfüllt?

Thomas Matla: Danke für Ihre Frage. Ja,
leider ist das noch zu oft der Fall. Zu viele Franchise-Geber/innen definieren
oft im Vorfeld ein Anforderungsprofil, das sie dann, im Rahmen der Suche und den
damit gemachten Erfahrungen langsam wieder aufweichen. Zum Schluss sind sie oft
froh, dass jemand unterschrieben hat. Sie haben ein Ziel erreicht, einen
weiteren Partner oder eine weitere Partnerin. Doch dann fängt oft das Problem
erst an. Viele kennen den dornigen Weg, der sich dann mitunter für beide Seiten
verhängnisvoll entwickeln kann. Bis hin zu juristischen Auseinandersetzungen und
zur Trennung. Oft wird sich dann über gerade den Partner oder die Partnerin
geklagt, ein Einzelfall, und weiter geht es wie bisher, oft mit den gleichen
Erfahrungen. Ist das ökonomisch nachhaltig? Und, macht das glücklich? Hier
entsteht durch Frustrationen auf Seiten des potenziellen Unternehmers oder der
Unternehmerin zusätzlich auch ein Gesellschaftsschaden. Gerade darum ist
Nachhaltigkeit auch im Partner/innen-Akquisitionsprozess unabdingbar. Wer ohne
eine genaue Analyse der Motivation seiner möglichen Partner und Partnerinnen
diese unterzeichnen lässt, handelt in meinen Augen fast fahrlässig. Zwei
einfache Bilder: Stellen Sie sich einen Partner vor, der sehr sicherheitsbewusst
ist (Ebene2). Dieser braucht ein zertifiziertes System, alle möglichen
zertifizierten Produkte und eine Systemzentrale, die sich wahrscheinlich immer
intensiv um ihn kümmern muss. Innovationen und Veränderungen sind hier schwer
durchzusetzen. Zweites Bild: Stellen Sie sich eine potenzielle Partnerin vor,
die sich weiterbilden und weiterentwickeln will. Die ständig offen für Neues ist
(Ebene 5). Hier brauchen Sie nicht Zertifikate, um sie von einem Produkt oder
eine Leistung zu überzeugen. Es fällt eh auf fruchtbaren Boden. Verstehen Sie,
was ich meine?

Leser: Sie plädierten wiederholt dafür, dass
Franchise-Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollten. Viele
Systemzentralen kommen mit ihren umsatzabhängigen Lizenzgebühren aber nur
notdürftig über die Runden und würden sich mit sozialen Aktivitäten schlichtweg
überfordern. Bei aller Sympathie für Ihr Plädoyer hat Greenfranchising für einen
kleinen Franchisegeber wie uns einen luxuriösen Beigeschmack. Ich meine das mit
ehrlichem Bedauern.

Thomas Matla: Liebe Chat-Teilnehmerin,
vielen Dank für Ihre Frage. Das ist doch mal ein Ansatz. Nehmen wir an, Sie
würden ein Franchise-System im Bereich Schnellrestaurants betreiben. Sie hätten
zusätzlich herausgefunden, dass Ihre Kunden und Kundinnen gesunde Lebensmittel
ohne Konservierungsstoffe und Allergene suchen. Sie entschliessen sich diese
anzubieten. Ihr Geschäft und das Ihrer Franchise-Nehmenden fluoriert. Ein erster
Schritt gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Sie gehen auf den
Gesellschaftstrend für gesunde Lebensmittel ein und generieren daraus einen
ökonomischen Vorteil. Dean & David fresh to eat, die wir in unserem Buch
„Green Franchising“ vorstellen, machen das so. Andere, wie das österreichische
System Culumnatura, stellen wir ebenfalls im obigen Buch vor, gehen den Weg im
Bereich der Haar- und Hautpflege. Sich dafür zu entscheiden, sich mit seinem
Franchise-System auf die Marktveränderungen einzustellen, ist im besten Sinne
Marketing. Es ist notwendig für einen langfristigen Erfolg. Um die
Nachhaltigkeitsbestrebungen im deutschsprachigen Raum populärer zu machen und
den Spaß daran, verbunden mit dem natürlich wirtschaftlichen Erfolg, zu
gewinnen, dafür haben wir das Wort Greenfranchising in den deutschsprachigen
Raum gebracht. Verantwortliches, nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht aus
unserer Sicht erst das langfristige Überleben, im Franchising für die
System-Zentrale, die Franchise-Nehmenden, für die Mitarbeitenden, die Kunden und
die Gesellschaft. Gerade KMUs haben hier Profilierungsmöglichkeiten und gerade
Franchise-Systeme besondere Vorteile der schnellen und standardisierten
Marktdurchsetzung. Bleiben Sie dabei und durchdenken Sie es. Es lohnt sich. Ich
meine es auch ganz ehrlich.

Leser: Vor wenigen Tagen habe ich in der
Zeitung gelesen, dass unerwartet viele Öko-Bauern zur traditionellen
Landwirtschaft zurückkehren. Als Gründe wurden der hohe administrative Aufwand
und eine zu geringe Rendite genannt. Obgleich sich jährlich noch immer mehr
Bauern der ökologischen Landwirtschaft zuwenden, sehen die Autoren hier eine
Gefahr. Auch Greenfranchising ist, wie Sie gerade bestätigten, kein
Selbstläufer. Erlaubt Ihre Beratungstätigkeit bereits Schlussfolgerungen,
welchen Franchise-Systemen (Branche, Größe, Führungsstil etc.) die Umstellung
besonders gut gelingt und welche sich eher schwer tun?

Thomas Matla: Vielen Dank für Ihre
ergänzenden Informationen und Ihre Frage. Aus meiner Sicht kommen wir hier
schnell in philosophische Bereiche oder in den Bereich der menschlichen Ethik.
Ich, als Unternehmer oder Unternehmerin, kann selbst entscheiden, ob ich mit
meinem Unternehmen (Franchise-System) mich einzig darauf konzentriere Geld zu
verdienen. Oder, ob ich mit meinem Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung
übernehme. Das muss jeder Mensch mit sich selbst ausmachen. Nachhaltigkeit ist
zuallererst eine Werte-Einstellung und ein Bewusstseinsprozess. Grosse
Unternehmen, wie „dm“ in Deutschland und „Victorinox“ in der Schweiz zeigen,
welche Auswirkungen Unternehmende auf ihre Unternehmen haben können. 1957 hat
das auch der Schweizer Gottlieb Dutweiler mit der Gründung der Genossenschaft
Migros, eine der zwei großen Detailhändler in der Schweiz, gezeigt, als er das
„Kulturprozent“ als Unternehmendziel fest verankerte. Seit dem investiert die
Migros ein Prozent vom Umsatz (!) jährlich zur Förderung der gesellschaftlichen
Bildung und Kultur. Negative Informationen, über Bereiche, in denen es schwer
oder nicht zu gehen scheint, wird es immer geben. Aber Unternehmende müssen die
Kraft haben dagegen anzukämpfen, dann könne Sie auch zu den Gewinnern gehören
und sich selbst profilieren, indem sie auch der Gesellschaft dienen.

Leser: Im Franchising haben wir es mit
rechtlich selbstständigen Partnern zu tun, die im Lauf ihres Lebens ihre
persönlichen Anschauungen und Zielsetzungen entwickelt haben. Die Vorstellung,
dass ein Franchise-Geber die neuen Nachhaltigkeitsziele und Umweltvorgaben „per
order mufti“ gegenüber seinen Partnern durchsetzt, gefällt mir nicht. Welche
Maßnahmen und Argumente haben sich bewährt, um möglichst alle Beteiligten ins
Boot zu holen?

Thomas Matla: Danke für Ihre (auch
unterhaltende) Frage. Nein, von oben nach unten funktioniert das nicht. In
unserem Buch „Green Franchising“ stellen wir die Initiative von Dr.h.c. Dieter
Fröhlich vom DFV vor. „Grüne Zahlen“ sind sein Thema. Sie kennen ja Ihre
Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA). Wenn Sie hier Ausgaben für Strom,
Wasser, Abfall etc. nicht nur als normale Zahlen wiedergeben, so die Idee von
Dr. Fröhlich, sondern als Grüne Zahlen, dann können Sie auf diesem Wege Ihre
Franchise-Partner/innen an das Thema gewöhnen. Ich erinnere mich sehr genau an
den letzten Round Table, an dem Franchise-Nehmende die Leuchtkörper und deren
Energieverbrauch in den Läden heftig diskutierten. Hier gibt es Ansatzpunkte,
die sich sowohl ökologisch, als auch wirtschaftlich auswirken. Parallel stellt
sich auch langsam eine Nachhaltigkeitskultur ein, die zukünftige Vorschläge
schneller zum Ziel führt. Die Steuerberatung ETL Franchise (auch in unserem
Buch) arbeitet bereits nach diesem System. Dr. Jürgen Karsten und Jörn Grote
sind hier die Ansprechpartner.

Leser: Wie wirkt sich eine grüne
Positionierung des auf das Tagesgeschäft der Franchise-Nehmer aus? Die von Ihnen
genannten Herausforderungen betreffen vorwiegend die Franchise-Zentralen.

Thomas Matla: Guten Tag, eben bin ich
schön auf die „Grünen Zahlen“ eingegangen, die sehr wohl die Partner/innen
betreffen. Denn jeder möchte gern die eigenen Fixkosten reduzieren. In den USA
gibt es bereits seit Jahren „Grüne Schnellrestaurants“, in denen besonders auf
Energieeffizienz sowie auf gesunde Nahrung geachtet wird. Subway wurde hier
bereits, ich glaube 2008, für seinen Ecostore ausgezeichnet.

Leser: Welches sind die ersten Schritte, um
das eigene Unternehmen bzw. Netzwerk grüner auszurichten?

Thomas Matla: GREEN FRANCHISE THINKING
ist der erste Schritt. Erst einmal sichten, analysieren, bewerten und darüber
nachdenken. Der erste Schritt ist die Beschäftigung mit dem eigenen
Business-Konzept. Es geht um die Frage, ob dieses generell zum Beispiel nicht
langfristig gesellschaftskompatibel ist oder ob und wo es Optimierungspotenzial
bietet. Hier können sich eventuell auch Kooperationen anbieten. Zum Beispiel mit
I:CO, Hamburg (in unserem Buch) zur Sammlung und Rückführung von benutzten
Produkten. Ziel ist etwa einen „Closed Loop“ herzustellen, in dem alles wieder
aufbereitet wird. Was sich zuerst visionär anhört, wird bereits von vielen
Unternehmen realisiert, zum Beispiel von Reno, Mister Minit oder Vögele
Shows.

Leser: Wie weit sollte die Umstellung
fortgeschritten und von allen Beteiligten verinnerlicht sein, bevor man die
grünen Werte öffentlich macht?

Thomas Matla: Kommunikation ist ein
ganz wichtiger Bereich in der Nachhaltigkeit. Ihre Bemühungen müssen tatsächlich
bereits erfolgt sein, sollten bereits Erfolge zeigen, dann können Sie auch
glaubwürdig darüber berichten. Hierzu braucht es Fingerspitzengefühl. Denn
einerseits geht es darum wirklich etwas Gutes zu tun, andererseits darum damit
auch glaubwürdig identifiziert zu werden. Letztendlich geht es auch um
Markenstärke. Morgan Cassidy von Interbrand sagt dazu „Grün sein ist gut für das
Geschäft“ (Green Franchising, Bellone/Matla, 2012, mi-Wirtschaftsbuch).
Gleichzeitig kommt es darauf an, kein Gab, keine Lücke entstehen zu lassen. Wer
wesentlich nachhaltiger agiert, als er darüber kommuniziert, vergibt Chancen und
geht damit unverantwortlich mit seinem System um. Wer zuviel vorgibt, ohne etwas
dahinter, betreibt Green Washing, will sich also nur einen grünen Anstrich
verpassen. Kommunikation sollte deshalb professionell und strategisch erfolgen,
nicht hemdsärmelig und taktisch.

Leser: Welche Kommunikationsmaßnahmen
empfehlen Sie, um das Markenimage im Sinne der Nachhaltigkeit zu verändern?

Thomas Matla: Das wichtigste ist
natürlich die Überprüfung der Marken-Positionierung. Stimmt diese noch? Stimmt
sie so? Sind Werte zu addieren? Eine Marken-Positionierung ist nicht in Beton
gemeisselt. Sie sollte hinterfragt werden dürfen. Daraus ergeben sich Brand
Marketing- und Kommunikationsmassnahmen. Die können in die Richtung einer
größeren Kunden- und Partner/innen-Orientierung und Offenheit gehen. Also zum
Beispiel durch neue Kommunikationsplattformen, Intranet, Social Media. Der
ehrliche und informative Dialog ist wichtig. Und eine Unternehmenskultur der
Lernbereitschaft.

Leser: Darf ich nochmals meine Frage
einbringen, ob Ihre Beratungstätigkeit bereits Rückschlüsse erlaubt, welchen
Franchise-Systemen (Branche, Größe, Führungsstil etc.) die Umstellung besonders
leicht fällt und welche sich eher schwer tun?

Thomas Matla: Danke für Ihre Nachfrage.
Gerne gehe ich darauf ein. Autoritären Führungsstilen und betont traditionellen
Unternehmen fallen Veränderungsprozesse jeglicher Art besonders schwer. So auch
eine stärkere Orientierung am Megatrend Nachhaltigkeit und das Ausrichten der
Unternehmung auf diesen. Junge Unternehmende, die neuen Franchise-Gebenden, sind
besonders offen für einen partnerschaftlich dialogischen Austausch, für
Verantwortungsübernahme und ganzheitliches Denken und Handeln. Da Menschen den
Unterschied machen, möchte ich keine Branche ausschließen. Gleichzeitig möchte
ich „jung“ nicht altersmässig betrachten. Es geht um junge, flexible,
verantwortungsbewusste Menschen in der Einstellung. Je größer ein gewachsenes
und traditionelles Franchise-System ist, desto schwerer kann es sein, eine
Umstellung Richtung Nachhaltigkeit zu realisieren. Hierbei imponiert mir
besonders McDonalds, die nicht nachlassen, ihren Corporate Responsibility Report
zu veröffentlichen und Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen. Entgegen aller Kritik,
die es manchmal dazu in der Presse gibt. Kompliment!

Thomas Matla: Vielen Dank liebe
Live Chat-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen. Das waren jetzt wirklich zwei
schnelle Stunden. Das Thema Nachhaltigkeit in Bezug auf die Marke, das
Franchise-Prinzip sowie die Kommunikation sind wichtige Erfolgsthemen. Am
26.04.2013 stehe ich Ihnen zum Thema „Chancen und Risiken von
Greenfranchise-Marken“ zur Verfügung. Ich freue mich Sie dann wieder zu treffen.
Bis dahin, bleiben Sie neugierig! Ihr Thomas Matla

Thomas Matla
Thomas Matla
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