Ratgeber & Podcast

für Franchisezentralen

Nachhaltigkeit in Franchise-Systemen

Veronika Bellone: Schönen
guten Morgen, liebe Chat-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. Dem Thema
Nachhaltigkeit haftet oftmals etwas „Oberlehrerhaftes“ an. Strenge und
Disziplin. Dabei kann es sehr selbstverständlich, freudig und motivierend in den
Franchise-Alltag integriert werden. Wie sieht es um die Nachhaltigkeit in Ihrem
System aus? Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen. Ihre Veronika
Bellone

Leser: Liebe Frau Prof. Bellone: Auf welchen
Gebieten sehen Sie den Franchise-Geber ganz persönlich gefordert, wenn es um den
Aufbau eines nachhaltigen Geschäftsmodells geht?

Veronika Bellone: Guten Morgen,
lieber Chat-Teilnehmer, in erster Linie muss ich eine Selbstreflexion betreiben.
Wo verhalte ich mich heute in welcher Form nachhaltig? Wo habe ich eigene
Gepflogenheiten und Prägungen, die mein Denken und Handeln in dieser Hinsicht
beeinflussen. Ich muss selbst wissen, wie ich zu dieser Thematik stehe und dann
gehe ich auf mein Verhalten als verantwortungsvoller Franchise-Geber bzw. als
verantwortungsvolle -Geberin ein.

Leser: Schönen guten Morgen, Frau Professor
Bellone! Welche Gesichtspunkte sollten einen Franchisegeber zur verstärkten
Suche nachhaltiger Lösungen motivieren?

Veronika Bellone: Für den Erhalt
seines Systems zu sorgen und damit auch für die beruflichen Existenzen, die
damit verbunden sind. Und darüber hinaus Position in der Gesellschaft und Umwelt
zu beziehen. Welchen Beitrag leiste ich für eine verantwortungsvolle
Weiterentwicklung? Ich hatte kürzlich Titus Dittmann, den „Skateboard-Vater“ in
Deutschland interviewt, der auch Franchise-Geber ist und sich in vielen Ländern
(Afghanistan etc.) sehr stark für die Entwicklungsmöglichkeiten von Jugendlichen
und Kindern einsetzt. Er gerät dabei auch in Gefahr. Warum er das tut: weil er
sich u.a. als privilegiert ansieht, nach dem Krieg geboren worden zu sein.

Leser: Sollte die ökonomische Nachhaltigkeit
nicht eine selbstverständliche Voraussetzung im Franchising sein? Für mich sind
Anbieter, die ohne langfristige Perspektive nur auf aktuelle Modetrends setzen,
keine seriösen Franchise-Geber

Veronika Bellone: Die ökonomische
Nachhaltigkeit hängt nicht nur davon ab, einen allzu trendigen Geschäftsinhalt
auszuschliessen. Wirtschaftlich nachhaltig zu agieren hängt vom ganzheitlich
durchdachten Ansatz des Systems ab. Welche Quantität verträgt mein
Geschäftskonzept (Produktion, Standorte, Internationalisierung etc.)? Das hängt
von der Positionierung der Unternehmung und seiner Leistungen ab. Alles bedingt
sich gegenseitig.

Leser: Guten Morgen! Sie sprechen auf Ihrer
Website von einer „enkeltauglichen Umwelt“. Wie stellen Sie sich diese vor und
wie kann die Franchise-Wirtschaft dazu beitragen?

Veronika Bellone: Die
Franchise-Wirtschaft – in Deutschland spricht man beispielsweise von ca. 1’000
Systemen – kann da Zeichen setzen. Wir (Bellone Franchise Consulting und das
Greenfranchise Lab) haben das mit dem Deutschen Franchise Verband gestartet, in
dem in diesem Jahr zum zweiten Mal der Green Franchise Award ausgeschrieben
wurde. Die Verleihung des Preises findet am 20.5. im Rahmen des DFV Franchise
Forums statt. Mit diesem Preis werden Franchise-Unternehmen ausgezeichnet, die
auf allen vier Nachhaltigkeitsebenen (ökonomisch. ökologisch, sozial und
kulturell) adäquate Lösungsansätze und Aktivitäten entwickelt haben. Ich freue
mich sehr, dass es damit der Franchise-Wirtschaft gelingt, neue Zeichen zu
setzen.

Leser: Kann ein Franchise-System mit bewusst
auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Prozessen auch die eigene Marktposition
stärken? So könnten beispielsweise die Unterschiede in der Werbung unter
Markennennung aggressiv angesprochen werden.

Veronika Bellone: Der grosse
Vorteil von Franchise-Systemen ist die Standardisierbarkeit und
Multiplizierbarkeit von Erfolgsfaktoren und damit auch nachhaltig angelegter
Strukturen und Inhalte. „Tue Gutes und rede darüber“. Das stärkt sowohl die
eigene Position – vorausgesetzt man lebt dieses Werte tatsächlich – und regt
andere an, sich ebenfalls Gedanken zu machen. Das war zum Beispiel meine
Intention, nun seit Jahren Greenfranchise-Interviews zu führen mit
Unternehmensverantwortlichen, die effektive Lösungen gefunden haben. Weniger, um
damit aggressiv in der Werbung zu punkten, sondern entspannt die eigene Position
zu erklären.

Leser: Wie verdeutlicht man als
Franchise-Geber/in die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells in der eigenen
Systembeschreibung?

Veronika Bellone: Stellen Sie ein
paar „Pröbchen“ Ihres nachhaltigen Tuns vor. Bewerber/innen, die auf Ihr System
aufmerksam werden, hinterfragen und recherchieren sowieso, was es damit auf sich
hat und womit sie sich identifizieren können.

Leser: Können Sie auch einen Hinweis geben,
wie sich die Nachhaltigkeit eines kooperativ angelegten Geschäftsmodells im
Franchise-Vertrag verankern lässt?

Veronika Bellone: In erster Linie
sollten Sie als Franchise-Geberin vorleben, was und wie Sie nachhaltige
Bemühungen leben, denn nicht alles lässt sich im Vertrag verankern. Über Vorbild
und Effekte, die Sie erzielen, können Sie jedoch punkten – Systeme wie
TeeGschwendner, Lush, Mammut u.v.a. zeigen dies.

Leser: Die Bewerbungsfrist für den Green
Franchise Award ist inzwischen abgelaufen. Dürfen wir erfahren, wie viele
Franchisesysteme sich in diesem Jahr beworben haben?

Veronika Bellone: Der Prozess ist
noch laufend – PR-Meldungen dazu wird es im Zeitraum des Forums geben.

Leser: und welche Erkenntnisse haben Sie aus
der 1. Zukunftskonferenz von DFV und DFI gezogen? Wann ist die Folgekonferenz
geplant und um welche thematischen Schwerpunkte wird es dann gehen?

Veronika Bellone: Da müssten Sie
sich freundlicherweise an den DFV wenden, der diese Veranstaltungen mit dem DFI
plant.

Leser: Wird bei Einbeziehung sozialer und
kultureller Fragen in die Definition nachhaltigen Wirtschaften nicht das
umweltverträgliche Handeln leicht an den Rand geschoben? Die Standardisierung
umweltgerechter Werte dürfte aufgrund der damit verbundenen Komplexität m.E. für
ein Unternehmen deutlich aufwendiger sein.

Veronika Bellone: Ich sehe
durchaus, dass (Franchise-)Unternehmen gerade im ökologischen Bereich
Veränderungen vornehmen, weil sie erkennen, dass dadurch auch Kosten eingespart
werden. Eindrucksvoll hat das der Präsident des DFV Herr Dr. Fröhlich mit den
„Grünen Zahlen“ demonstriert. Wir haben dies verbunden mit der Möglichkeit einer
„Grünen Bilanz“ in unserem Buch „Greenfranchising“ im mi-Verlag vorgestellt. Es
sind mehr die Gewohnheiten, die hinterfragt werden müssen. Schon überschaubare
Massnahmen im Energiebereich, im Fuhrpark, in der Administration können
zusammengenommen eine grosse Wirkung zeigen.

Leser: Reicht die vom DFV geforderte 2-jährige
Pilotphase aus, um ein nachhaltiges Franchisesystem auf die Beine zu stellen?

Veronika Bellone: Wie bereits
zuvor erwähnt, es reicht nicht eine Massnahme aus, um die tatsächliche
Nachhaltigkeit oder Überlebensfähigkeit eines Konzeptes zu testen. Es kommt –
wie in Ihrer genannten Pilotphase – auch auf die Ausgestaltung und Analyse
dieser Phase an. Ich kann auch fünf Jahre testen – wenn ich nicht kritisch genug
auswerte und entsprechend bereit bin, Schwächen auszubügeln und das Konzept
weiterzuentwickeln, dann kann es ebenfalls in die falsche Richtung laufen.

Leser: Ist Ihnen bekannt, ob bzw. in welcher
Weise die Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells beim System-Check für eine
Ordentliche Mitgliedschaft im DFV berücksichtigt wird?

Veronika Bellone: Da müssten Sie
bitte beim DFV anfragen.

Leser: Welche Rolle spielt die Nutzung
alternativer Energien für die nachhaltige Ausrichtung eines
Franchise-Systems?

Veronika Bellone: Für Unternehmen
wie SONNENTOR, Puma, Hitzberger, Tapas del Mar und viele andere spielt es eine
grosse Rolle.

Leser: Ist die ökologische und soziale
Nachhaltigkeit für heutige Franchisesysteme wirklich mehr als ein „nice to
have“? Wie tragen diese Aspekte in der Praxis zur Existenzsicherung der
Franchise-Nehmer bei?

Veronika Bellone: Die
Franchise-Wirtschaft sollte sich nicht als Enklave in der Gesamtwirtschaft
verstehen. Nachhaltigkeit ist in unserer Gesellschaft und Wirtschaft kein „nice
to have“ mehr. Wenn es auch unglaubliche „Aktionen“ gibt, wie z.B. den „Berliner
Flughafen“. Das Bewusstsein ist jedoch gestiegen und zu einem festen Bestandteil
geworden. Wer sich zukünftig nur „um die eigene Achse dreht“, wird es schwer
haben.

Leser: Worauf würden Sie als
Systemverantwortliche im Hinblick auf die Nachhaltigkeit eines Systems besonders
achten? Mit welchen Controlling-Tools würden Sie die Einhaltung der mit Ihren
Franchise-Partnern vereinbarten Nachhaltigkeitskriterien nachvollziehen?

Veronika Bellone: Wir setzen für
diese Zwecke Greenfranchise Balanced Scorecards ein, die wir gemeinsam mit
Franchise-Systemen definieren nach Nachhaltigkeitszielen, -Strategien und
-Massnahmen.

Leser: Wie viele Franchisesysteme haben in
Deutschland nach Ihrer Kenntnis bereits Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht?
Welche Hürden sind dabei zu überwinden?

Veronika Bellone: Da ist sehr
viel in Bewegung. In Berlin wurde in diesem Jahr bereits von einer Verpflichtung
zur Berichterstattung gesprochen – jedoch für Unternehmen ab einer
Grössenordnung von 500 MA. Die Anzahl der Franchise-Unternehmen, die einen CSR
Bericht herausgegeben haben, ist nicht bekannt. Wie mit allem Neuen, müssen
Standards dafür entwickelt werden, um die Aussagekraft, Vergleichbarkeit u.a.
auszudrücken.

Leser: Fällt es nachhaltig ausgerichteten
Franchise-Systemen tatsächlich leichter, qualifizierte Systempartner zu finden?
Achten die Interessenten überhaupt auf solche Aspekte? Nach unserer Erfahrung
stehen finanzielle Gesichtspunkte bei der Systemauswahl klar im
Vordergrund.

Veronika Bellone: Finanzielle
Aspekte sind wichtig, um nachhaltig die eigene Existenz zu planen. Gehen Sie
selbst darauf ein, was für die Wirtschaftlichkeit Ihres Geschäftskonzeptes
gefordert wird? Welche Verantwortung Sie gleichermassen auch vom Partner bzw.
der Partnerin fordern? Ich beobachte häufig, dass Franchise-Geber/innen die
Frage nach den Finanzen schnell bedienen, ohne zuvor auf das einzugehen, was es
dafür braucht.

Leser: Wie sorgen Sie in Ihrer
Beratungstätigkeit – neben dem Einsatz von Grenfranchise Balanced Scorecards –
dafür, dass ein Franchisesystem nachhaltig aufgestellt wird? Wie gehen Sie
konkret vor?

Veronika Bellone: In dem ich bei
der Franchisierbarkeits-Überprüfung oder -Optimierung auf das „Denken in
Konsequenzen“ setze. Dabei kommt mir natürlich auch meine nunmehr 26jährige
Erfahrung zugute. Eine ausgefeilte SWOT-Analyse ist dafür wichtig und das
Hinterfragen aller Aspekte des Konzeptes.

Leser: Ich wäre sehr neugierig, wo Sie bei der
Professionalisierung der Partnergewinnung ansetzen würden? Seit geraumer Zeit
beobachten wir in diesem Bereich einen Rückgang der Anfragen, Gespräche und
Verträge. Verschiedene Lösungsansätze führten in unserem Franchisesystem zu
keiner nachhaltigen Besserung.

Veronika Bellone: Nun ist das als
„Trockenübung“ etwas schwierig, da ich keinen Anhaltspunkt zu Ihrem System habe.
Aber es hat a) sicher mit einem allgemeinen Rückgang der
Franchise-Bewerber/innen zu tun (die Arbeitssituation hat sich etwas entspannt –
Selbstständigkeit ist für einige kein „must“ mehr). b) Es gibt sehr viele
Franchise-Systeme, davon sind viele „Me-too’s“. Wie soll ein Bewerber, eine
Bewerberin erkennen, worin echte Potenziale liegen. Haben Sie dies
herausgearbeitet? Kann man bei Ihnen auf Anhieb mitbekommen, wo die
Besonderheiten Ihres Konzeptes sind? Was es stark macht – und damit auch die
Partner/innen profiliert?

Leser: Hallo! Ich möchte mich gegen Ende noch
in die Diskussion einschalten. Nach meiner eigenen Erfahrung sorgen Mängel in
der Kommunikation für die meisten Probleme und Konflikte in Franchise-Systeme.
Kann das Prinzip der Nachhaltigkeit auch auf die Kommunikation übertragen
werden? Auf welche Weise?

Veronika Bellone: Na, das ist
doch noch eine spannende Frage zum Schluss. Kommunikation als Brücke für Ihre
Systemregeln und Ihr nachhaltiges Werteverständnis. Dabei spielt neben der
verbalen Kommunikation die nonverbale eine ebenso grosse Rolle. Glaubwürdigkeit
und Überzeugungskraft spiegeln sich in der eigenen Körperhaltung und im Rahmen,
den ich für die Kommunikation gestalte. Nachhaltige Kommunikation hat aber neben
der Darbietung auch mit der Ernsthaftigkeit zu tun. Dafür brauche ich Regeln,
wie ich beispielsweise mit Vorschlägen, Ideen, Auseinandersetzungen im System
umgehe. In allem – ob in der Kommunikation nach innen wie aussen – muss sich der
Qualitätsanspruch und Nachhaltigkeitsanspruch wiederfinden.

Leser: Noch eine ergänzende Frage zur
Partnergewinnung: Was halten Sie von den verschiedenen Testverfahren zur
Franchise-Nehmer-Auswahl? Gibt es Verfahren, welche die Sensibilität für
Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen? Würden Sie einem bestimmten Verfahren
den Vorzug geben?

Veronika Bellone: Nein, ich gebe
keinem Verfahren den Vorzug. Ich empfehle Ihnen, die wichtigsten
Nachhaltigkeitsüberlegungen in Ihrem System herauszufiltern und diese in Ihre
Franchisenehmer-Selektion einzubinden. Entwerfen Sie dazu ein kleines
Rollenspiel nach dem Muster: „Wie würden Sie sich in der Situation xy
verhalten?“

Veronika Bellone: Liebe
Chat-Teilnehmer/innen, herzlichen Dank für Ihre Fragen und Kommentare. Allein
das zeigt, wie das Interesse am Thema Nachhaltigkeit steigt. Ich freue mich sehr
darüber, dass das nun auch mit dem „2. Green Franchise Award“ geehrt wird. Ich
wünsche Ihnen allen einen wunderbaren Frühling. Herzlichst Ihre Veronika
Bellone

Prof. Veronika Bellone
Prof. Veronika Bellone
Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH

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