Ratgeber & Podcast

für Franchisezentralen

Vergabe von Masterlizenzen im In- und Ausland

Rolf Gerhard Kirst: Guten Morgen
liebe Chat-Teilnehmer/innen. Zuerst möchte ich mich für die technische Panne
entschuldigen, die exakt um 10.°° Uhr eingetreten ist als wir beginnen wollten.
Ich freue mich, Ihnen jetzt für Frage zum Thema ‚Franchise International‘, sei
es für das Inbound- oder Outbound-Geschäft, zur Verfügung zustehen und hoffe auf
eine rege Kommunikation.

Leser: Guten Morgen, Herr Kirst. Warum ist
Master-Franchising im deutschsprachigen Raum so wenig verbreitet ?

Rolf Gerhard Kirst: Obwohl Franchising
ein internationaler Begriff ist und im Ausland vor allem in USA weit bekannter
ist als bei uns, konzentriert sich der Markt in Deutschland fast ausschließlich
auf deutsche Systeme. Es liegt sicher einmal an der unterschiedlichen
Geschäftsmentalität, an der unterschiedlichen Sprache und auch an der
unterschiedlichen Unternehmermentalität. Aus eigener Erfahrung kann ich
berichten, wir sollten in Deutschland viel offener auf ausländsiche Partner im
Franchising zu gehen und gemeinsam profitieren.

Leser: Welche erfolgreichen Master – außer
Uniglobe Travel – können Sie mir nennen ?

Rolf Gerhard Kirst: Ich kenne als
internationales System, das nach dem Masterkonzept arbeitet noch FastWay
Couriers aus Australien, die Sprachenschule Wall Street Institut und das System
New Horizon. Diese drei plus Uniglobe sind meiner Kenntnis nach die einzigen
Systeme, die hierzulande mit einem Master partner arbeiten. Das System Mail Box
Etc. wird von einem Master aus Italien hier in Deutschland aufgebaut.

Leser: Guten Morgen, Herr Kirst, seit 5 Jahren
baue ich die Fokus Sprachenschulen in Deutschland auf. Wir sind bereits in
Frankfurt und Stuttgart, bald auch in Leipzig vertreten. Welche Voraussetzungen
gibt es bei einem Ausbau in weiteren europäischen Städten? (Gesellschaftsform,
Rechte und Schutz des Namens, Gewerbeanmeldung etc.)

Rolf Gerhard Kirst: Diese Frage kann
ich nicht in einem oder wenigen Sätzen beantworten. In jedem Land gibt es
unterschiedliche Zulassungkriterien und unterschiedliche Marktgegebenheiten. Wir
müssten hier schon konkreter werden. Können Sie mir nähere Angaben machen, für
welche Länder Sie sich interessieren?

Leser: Welche Unterstützung kann ein Master
vom Franchisegeber erwarten ?

Rolf Gerhard Kirst: Sie müssen einen
Master genauso sehen wie einen Franchisenehmer nur über Grenzen hinweg. Ich bin
zum Beispiel Master des kanadischen Systems Uniglobe und in diesem Verhältnis
ein Franchisenehmer. Ich kann daher alle Leistungen erwarten, die Sie später
auch Ihren Franchisenehmern bieten müssen. Als Master erhalten Sie alle System
Vorlagen, Schulungskurse, Dokumente, Marketingunterstützung und vor allem den
wichtigen internationalen Erfahrungsaustausch. Wir könnten hier noch vieles
aufzählen und gerne kann ich Ihnen dies auch später einmal nachreichen.

Leser: In Frage kommen zunächst Schweden,
Portugal, Frankreich und Spanien.

Rolf Gerhard Kirst: OK, hier handelt es
sich vorwiegend um EU-Länder und hier ist der Schritt noch verhältnismäßig
einfach. Am besten wenden Sie sich an die örtlichen Franchiseverbände oder an
die Auslandsvertretung des DIHT, dort erfahren Sie alles Wissenswerte. Die
Geschäftssprache in allen diesen Ländern ist Englisch. Aus eigener Erfahrung
würde ich Ihnen vorschlagen, zuerst nach Schweden, dann Spanien, Portugal und
zuletzt nach Frankreich zu gehen. Wenn Sie Adressen der Verbände brauchen, dann
kann ich gerne helfen.

Leser: Kommen nur markterfahrene Unternehmen
oder auch Einzelpersonen für die Übernahme einer Master-Franchise in Betracht
?

Rolf Gerhard Kirst: In erster Linie
werden Masterlizenzen an Einzelpersonen vergeben. Auch internationale Systeme
suchen Unternehmerpersönlichkeiten. Ich kenne zur Zeit vier System aus USA, die
in Deutschland einen Partner suchen und alle bevorzugen eine Einzelperson und
weniger eine Firma. Der Grund liegt darin, dass Firmen diese Masterlizenz meist
nur als weiteres Standbein sehen und sich meist nicht so stark engagieren wie
eine Einzelperson, die auch voll im Risiko liegt. Wollen Sie eine Lizenz
übernehmen?

Leser: Worin bestehen die Vor- und Nachteile
der Einschaltung ausländischer Partner ?

Rolf Gerhard Kirst: Die Vorteile liegen
darin, dass Sie das Rad nicht neu erfinden müssen. Die Übernahme einer
Masterlizenz hat den Vorteil, dass Sie ein erprobtes System übernehmen. Aber
Achtung – erprobt im Land des Master-Gebers. Sie müssen prüfen, ob dieses System
auch bei uns erfolgreich sein kann. Wohin geht Ihre Frage? Möchten Sie mit Ihren
System ins Ausland oder wollen Sie eine Lizenz übernehmen?

Leser: Es wäre freundlich, wenn Sie mir diese
Adressen zur Verfügung stellen könnten. gibt es einen Grund für die von Ihnen
vorgeschlagene Reihenfolge?

Rolf Gerhard Kirst: Die Frage der
Adressen kann ich leicht beantworten. Gehen Sie auf die Website
www.franchiseassociations.com und sie finden die Adressen aller Verbände
weltweit. Warum diese Reihenfolge: Ich kenne diese Länder und die Entwicklung
des Franchising dort. Internationale System starten meist mit Erfolg in
Skandinavien und auf der iberischen Halbinsel. Frankreich ist für Ausländer ein
schwieriger Markt und ich kenne einige System, die in Frankreich gescheitert
sind. Deshalb mein Rat.

Leser: Ich interessiere mich für eine Lizenz.
Welche Vorbereitungen muss ein Master treffen, bevor er wirklich starten kann,
und was ist an Zeit und Kosten zu veranschlagen ?

Rolf Gerhard Kirst: Hier kann ich aus
eigener Erfahrung sprechen. Zuerst sollten Sie sich einmal über das System grob
informieren, am besten über das Internet. Dann sollten Sie sich Unterlagen
anfordern. Man wird Ihnen eine dicke Mappe schicken, die Sie dann ausführlich
studieren sollten. Wenn Ihnen das System zusagt und die finanziellen
Voraussetzungen einigermaßen stimmen, dann sollten Sie sich mit dem System bzw.
dem International Sales Manger in Verbindung setzen. Ein paar Gespräche am
Telefon und dann ist unbedingt ein Besuch in der Zentrale des Master vor Ort
notwendig. Alles weitere ergibt sich dann. Wenn Sie Hilfe brauchen, ein
ausländisches System zu finden, das einen Master in Deutschland sucht, ich kenne
einige. Auch kann ich Ihnen gerne zusätzliche Informationen geben, wenn die
Frage nach Referenzen auftaucht und vieles mehr.

Leser: In Schweden ist die Mwst. sehr hoch.
Gibt es die Möglichkeit, eine Abrechnung der Kursgebühren über Deutschland
durchzuführen? Man könnte dadurch preislich sehr viel wettbewerbsfähiger sein.

Rolf Gerhard Kirst: Wir selber haben ja
eine Lizenz für Deutschland und Österreich. Wir berechnen die Franchisegebühr
ohne Mehrwertsteuer, da die Leistung in Deutschland erbracht wird. Wenn Sie
allerdings eine offizielle Firma in Schweden aufbauen, dann müssen Sie sich nach
den örtlichen Gesetzen richten. Diese Frage kann Ihnen aber sicher ein
Steuerberater besser beantworten – Sorry. Ich hoffe aber, die erste Antwort
genügt Ihnen.

Leser: Wie finde ich Master in meinen
Zielländern und mit welchem Aufwand muss ich bei der Suche rechnen ?

Rolf Gerhard Kirst: Wenn Sie als
deutscher Franchisegeber einen Master im Ausland suchen, dann gibt es
verschiedene Möglichkeiten. 1. Besuch der lokalen Franchise-Messen. Eine
Übersicht über internationale Franchisemessen finden Sie im Internet unter
www.franchiseworks.com oder unter www.worldfranchising.com/franchiseshows.htm 2.
Suchen Sie sich einen Franchiseberater in diesem Land. 3. Recherchieren und
werben Sie über örtliche Franchise-Websites. Den Aufwand kann ich schwer
beziffern, da es wiederum auf das Land ankommt und auf das System.

Leser: Hallo Herr Kirst: Wann ist der richtige
Zeitpunkt für ein Franchisesystem gekommen, um international zu expandieren ?

Rolf Gerhard Kirst: Meine Empfehlung
lautet, ein Franchisesystem muss unbedingt einige Jahre erfolgreich in
Deutschland arbeiten und über eine respektable Zahl von Franchisenehmern
verfügen. Uniglobe hat sich von Nordamerika erst nach 10 Jahren ins Ausland
gewagt. Ein kleiner Unterschied ist der Sprung in unser Nachbarland Österreich.
Dort können Sie es auch schon früher wagen, denn dort sind die Bedingungen fast
identisch und das Verständnis für Franchising gleich und vor allem – wir
sprechen die gleiche Sprache.

Leser: Was für Analysen sollte der
Franchisegeber vorab erstellen lassen ?

Rolf Gerhard Kirst: Darf ich wieder
fragen: Sie als Franchisegeber wollen ins Ausland expandieren? Von den
Amerikanern weiß ich, dass diese meist überhaupt keine Analysen im Vorfeld
machen und dies alles dem zukünftigen Master Franchisenehmer überlassen. Macht
auch Sinn, denn oft weiß man nicht wie lange man braucht, um den passenden
Partner zu finden und nach Jahren sind die Analysen veraltet. Wir Deutschen sind
hier zu bürokratisch und übergenau. Wir sollten vielleicht von den Amerikanern
lernen und etwas mehr aus dem Bauch heraus entscheiden. Ob dies aber in jedem
Fall der richtige Weg ist, muss die Einzelsituation ergeben.

Leser: Es ginge in der Tat darum, eine Firma,
in diesem Fall eine Sprachenschule vor Ort zu eröffnen. Wir arbeiten mit vielen
internationalen Firmenkunden zusammen, die wir bereits in Deutschland betreuen.
Der Unterricht würde z.B. in Stockholm durchgeführt und von Deutschland (der
Zentrale) aus berechnet. Ist das möglich? Leider gibt es wenige Steuerberater,
die länderübergreifend arbeiten und sich mit beiden Rechtslagen auskennen.

Rolf Gerhard Kirst: Aus meiner Sicht
eher nein. Wir wissen aus dem Beispiel Österreich, dass es immer auf den Ort der
Leistungserbringung ankommt. Wenn Sie also die Schulung in Stockholm
durchführen, so müssen Sie auch nach schwedischem Recht die Mehrwertsteuer
berechnen. Eine weitere Frage stellt sich aber, wenn Sie eine Niederlassung in
Schweden haben. Dies muss ein Steuerberater aber sicher wissen. Vielleicht noch
ein Tipp für Sie. Ich hatte einmal eine Anfrage aus Südostasien, die
händeringend nach einer Sprachenschule suchen, da diese Länder sich immer mehr
nach Europa orientieren und dort eine große Nachfrage nach dem Erlernen
europäischer Sprachen besteht.

Leser: Wie ist die Vorgehensweise und
Kostensituation bei Einschaltung eines Personalberaters für die Master-Suche?
Sind die Honorare erfolgsabhängig ?

Rolf Gerhard Kirst: Dies ist sehr
unterschiedlich. Die Amerikaner arbeiten nur honorabhängig. In Europa, vor allem
auch in Deutschland wird meist ein Fixhonorar plus Erfolgshonorar angeboten. Ich
persönlich würde nur auf Erfolgsbasis mit jemanden arbeiten, aber man muss oft
lange suchen.

Leser: Wie sind im Franchising die Erfahrungen
mit Joint-Ventures anstelle der Vergabe von Master-Lizenzen ?

Rolf Gerhard Kirst: Joint Venture
machen Sie ja meist mit einer anderen Firma im Ausland. Davon würde ich abraten
aus den bereits oben genannten Gründen. Wenn Sie allerdings ein Joint Venture
mit Ihrem zukünftigen Master eingehen wollen, so kommt es sehr stark auf die
Person des Partners an. Auf der anderen Seite haben Sie einen gewissen Einfluss
auf das Geschäft in diesem Land. Die meisten Ausländer, die einen Master suchen,
gehen kein Joint Venture ein, sondern erwarten, dass der zukünftige Master ein
eigenständiger Unternehmer bleibt. Dies ist ja auch der Urgedanke des
Franchising. Sie gehen ja auch kein Joint Venture mit Ihren Franchisenehmern in
Deutschland ein, oder?

Leser: Auf welche Kriterien wird bei der
Auswahl eines Master besonders geachtet ?

Rolf Gerhard Kirst: Hierzu habe ich
eine lange Ausführung für das neue Buch ‚Das Franchise System‘ erarbeitet. Die
wichtigsten Kriterien für den zukünftigen Master Partner sind: –
Unternehmerische Erfahrung – Erfahrung in der jeweiligen Branche sind von
Vorteil – Sprachkenntnis (der Ausländer sollte eine wenig Deutsch sprechen oder
Sie sind der anderen Sprache absolut mächtig) – Finanzielle Grundlage (und das
ist der kritischste Punkt – wir reden hier nämlich oft über 500.000 Euro und
mehr)

Leser: Als potentieller Master kann man doch
keine kostspieligen Feasability Studies in Auftrag geben, um dann festzustellen,
dass das System im Inland nicht funktionieren kann. Sollte dies nicht vom
Franchisegeber getragen werden ?

Rolf Gerhard Kirst: Sollte ja, wird
aber meist nicht gemacht. Es muss ja auch nicht unbedingt eine wissenschaftliche
Untersuchung sein. Wenn Sie sich ein System ansehen, wie es im Ausland
funktioniert, dann können Sie mit Hilfe eigener Branchenexperten hier auch
eigene Recherchen anstellen. Ich verstehe Sie ja, aber die Erfahrung zeigt, dass
Sie darauf nicht bauen dürfen.

Leser: Wie lässt sich die Angemessenheit der
zum Teil horrenden Mastergebühren amerikanischer Systeme beurteilen?

Rolf Gerhard Kirst: Zu diesem Thema
kann ich Ihnen nur sagen, es sind zwar oft horrende Forderungen, aber die müssen
Sie ja nicht oder mindestens nicht sofort bezahlen, wenn Sie geschickt
verhandeln. Ich weiss, die Amerikaner fordern erst einmal und erwarten, dass man
mit Ihnen verhandelt. Ich würde niemals eine Masterlizenz mit 300.000 bis zu 1
Mio. US-$ bezahlen. Es gibt andere Mittel und Wege. Wichtig bei den
Verhandlungen ist es, eine gewisse Begehrtheit zu wecken. Jeder internationale
Franchisegeber will gerne nach Deutschland, wir sind ein attraktiver Markt. Wenn
Sie sich genau als der ideale Partner darstellen, dann wird man einen Weg
finden, die für Sie noch horrend klingenden Mastergebühren zu reduzieren. Wenn
es im Einzelfall Fragen gibt, kontaktieren Sie mich, denn ich habe genau die
gleichen Erfahrungen gemacht.

Leser: Ich arbeite in einer
Franchise-Zentrale. Sind wir nicht aufgrund fehlender Marktkenntnisse einem
ausländischen Partner ausgeliefert ?

Rolf Gerhard Kirst: Nicht unbedingt.
Wenn Sie ein gutes und durchgreifendes Checkingsystem haben und klare
Richtlinien bzw. Systemstandards, die es einzuhalten gilt, dann funktioniert es.
Im Übrigen sollten Sie Ihrem ausländischen Partner auch einen gewissen Freiraum
gewähren.

Leser: Eine Zusammenarbeit mit Südostasien
wäre sicherlich interessant. Ist diese Anfrage noch aktuell? Könnten Sie mir
vielleicht eine Kontaktperson nennen?

Rolf Gerhard Kirst: Sie haben Glück. Es
geht nichts verloren. Zufällig habe ich hier die Visitenkarte. Es war der
Chairman der Philippine Franchise Association ‚Mr. Samie Lim‘ An ihn können Sie
sich wenden und sich auch gerne auf mich beziehen. e-Mail Adresse:
pfa@nwave.net. Ich wünsche viel Erfolg.

Leser: Wie sichern wir unser Know-how
gegenüber ausländischen Partnern ab ?

Rolf Gerhard Kirst: Mit einem gut
durchdachten Mastervertrag. Es gibt hierfür einige Experten in Deutschland, an
die Sie sich wenden sollten. Als Gerichtsstand sollten Sie Deutschland wählen.
Sie können auch noch einen ausländischen Juristen hinzuziehen, der unbedingt
notwendig ist, wenn man den lokalen Franchisevertrag entwerfen lässt. Dies
müssen Sie unbedingt in Ihren Händen behalten. Es ist natürlich auch eine Frage,
in welche Länder Sie expandieren wollen. Innerhalb der EU ist es leicht, nur
England hat ein anderes Rechtssystem (ähnlich dem der USA). Wenn Sie aber
ausserhalb von Europa expandieren wollen, dann sind lokale Franchiseanwälte
notwendig.

Leser: Sollte bei der internationalen
Expansion nach Möglichkeit eine erfahrene Beratungsgesellschaft eingeschaltet
werden ?

Rolf Gerhard Kirst: Das kommt auf Ihr
eigenes Know-how an und auf Ihre Erfahrungen mit dem jeweiligen Land. Wenn Sie
das betreffende Land, in das Sie expandieren wollen, gut kennen, dann können Sie
es alleine schaffen. Wenn Sie aber fremdes Terrain betreten, wäre ein örtlicher
Berater sicher von Vorteil. Eine Ausweitung nach Österreich und in die Schweiz
kann man alleine schaffen, nach Frankreich oder auch Spanien würde ich mich
alleine nicht trauen, denn hier muss man sich sehr stark in die Mentalität
dieser Menschen hineindenken – aber als Geschäftsmann und nicht als
Tourist.

Leser: In welchen Schritten sollten wir die
Internationalisierung unseres Systems vorbereiten und durchführen ?

Rolf Gerhard Kirst: Konzentrieren Sie
sich zuerst auf ein Land – zum Beispiel Österreich. Suchen Sie eventuell einen
Berater vor Ort – hier im Franchiseportal sind ja einige aufgeführt. Dann
sollten Sie eine Anwalt vor Ort suchen, der sich mit der örtlichen
Franchiseszene auskennt. Weiterhin sollten Sie mit dem Geschäftsführer des
örtlichen Franchiseverbands einmal sprechen und vor allem eigene Marktrecherchen
anstellen. Hierbei hilft wieder die Auslandsvertretung des DIHT bzw. der IHK.
Stellen Sie sich auch die Fragen: Hat mein System vor Ort eine Chance? Gibt es
solche Produkte oder Dienstleistungen vor Ort – wer ist meine zukünfige
Konkurrenz? Brauchen die Menschen in diesem Land meine Dienstleistung oder mein
Produkt überhaupt und vieles mehr.

Leser: Wie sehen Sie die Chancen für die
Vergabe von Master-Lizenzen in Osteuropa ?

Rolf Gerhard Kirst: Hier bin ich ein
wenig voreingenommen. Ich würde niemals raten ein System nach Osteuropa
auszuweiten, wenn es nicht in anderen europäischen Ländern schon erfolgreich
arbeitet. Auch McDonald’s hatte in diesen Ländern am Anfang enorme
Schwierigkeiten. Es ist ein Problem die richtigen Leute zu finden, dann gibt es
Schwierigkeiten mit den Gesetzen, mit der Zahlungsmoral und vieles mehr. Ich
empfehle, wenn man expandieren will, dann erst den Weg des geringsten
Widerstandes zu wählen. Auf keinen Fall würde ich Osteuropa als meine erste Wahl
ansehen.

Leser: Herzlichen Dank! Haben Sie
zufälligerweise noch weitere Kontakte zu Interessenten, die eine Franchise für
diesen Sektor aufbauen möchten? Persönliche Empfehlungen sind natürlich sehr
viel besser, als anonyme Anzeigen!

Rolf Gerhard Kirst: Ja ich habe auch
einen Kontakt in Malaysia. Leider muss ich da erst suchen. Aber eine Firma in
Kuala Lumpur kauft Master Lizenzen und vergibt diese an lokale Betreiber. Diese
Firma wird zu 90 % vom Staat subventioniert und ist sehr integer. Die
Zusammenarbeit mit diesem Teil der Welt ist aber nicht ganz leicht. Schicken Sie
mir ein e-Mail mit Ihrer Adresse und ich werde die Firma für Sie
heraussuchen.

Leser: Gibt es noch nicht – wie im New
Business – Inkubatoren, um mittels Outsourcing ein Franchisesystem im Ausland
aufzubauen und es später direkt zu führen?

Rolf Gerhard Kirst: Ist mir so nicht
bekannt. Ich kann nur empfehlen, den konservativen Weg einzuschlagen.
Partnersuche vor Ort und dieser soll das Geschäft vor Ort aufbauen.
Grundsätzlich können Sie sich im Mastervertrag ja ein Rückkaufrecht einbauen.
Nach einer gewissen Zeit dürfen Sie dann das Geschäft gegen entsprechende
Entschädigung zurückkaufen.

Leser: Konnten Sie bei der Übernahme Ihrer
Masterlizenz die Uniglobe-Systemhandbücher einfach übersetzen oder mussten Sie
umfangreiche Anpassungen vornehmen?

Rolf Gerhard Kirst: Mit den
Übersetzungen war das eine wichtige Erfahrung. Zuerst wollte ich sie von einem
Dolmetscher übersetzen lassen. Dann hatten wir aber mit der Korrektur mehr
Arbeit als hätten wir es selber gemacht. Daraufhin habe ich mich mit meinem
Schulungsdirektor selber hingesetzt und alle übersetzt und gleichzeitig auch
angepasst. Eine wörtliche Übersetzung funktioniert nie – Sie müssen den Sinn des
Inhalts mit eigenen Worten wiedergeben. Daher ist Branchenerfahrung von Vorteil.
Wir haben inzwischen 25 englische Handbücher ins Deutsche übersetzt und wissen,
wovon wir sprechen.

Leser: Kommt es vor, dass Ihr kanadischer
Franchisegeber wenig Verständnis für die hiesigen Marktbedingungen aufbringt und
wie lassen sich solche Differenzen lösen ?

Rolf Gerhard Kirst: Er bringt schon
Verständnis auf, nur versteht er oft unsere Marktbedingungen nicht. Amerikaner
haben Probleme zu aktzeptieren, dass es auch andere Länder mit eigenständiger
Geschäftkultur ausserhalb der USA gibt. In meinem Fall habe ich Jahre gebraucht,
um gewisse Marktgegebenheiten zu erklären. Was der Amerikaner nicht kennt, dass
versucht er auch nicht zu verstehen. Hier hilft nur Geduld. Steter Tropfen höhlt
den Stein. In meinem Fall habe ich bisher alles erreicht, aber es hat oft Jahre
gedauert.

Leser: Gibt es Muster-Verträge oder
Standardklauseln für Master-Vereinbarungen?

Rolf Gerhard Kirst: Eigentlich nein
oder ich kenne keine. Hier kann Ihnen aber ein guter Franchise-Anwalt helfen.
Mir wurde der Mastervertrag aus Kanada vorgelegt, ich haben ihn von einem Anwalt
in München übersetzen lassen und dann über Anpassungen mit Uniglobe so lange
verhandelt, bis beide Partner zufrieden waren. Seitdem – und dies sind nun 7
Jahre – habe ich nie mehr in den Vertrag gesehen und hatte auch keinerlei
Auseinandersetzungen, für die der Vertrag herangezogen werden musste.

Leser: Was für Literatur können Sie zum Thema
‚Master-Franchising‘ empfehlen? Gibt es entsprechende Seminare?

Rolf Gerhard Kirst: Seminare gibt es
schon, ich habe aber keinen Termin griffbereit. In London gab es vor 2 Jahren
sogar einmal eine internationale Masterkonferenz. Empfehlen kann ich den Besuch
der entsprechenden Websites oder bestellen Sie sich das Magazin ‚Franchise
International‘ Kontakt über die e-mail Adresse: enquiries@fdsltd.com oder über
deren Website www.fdsltd.com . Neu ist das Magazin ‚International Franchising‘ –
zu beziehen über ssehti@IntlFranchising.com.

Leser: Welche Vorgehensweise hat sich bei der
Ausbildung ausländischer Partner bewährt ?

Rolf Gerhard Kirst: Meine eigene
Ausbildung habe ich jeweils in Kanada absolviert. Ich empfehle, ausländische
Partner dementsprechend auch im eigenen Land auszubilden. Das Sprachproblem muss
jeweils gelöst werden. In der eigenen Zentrale liegen alle Unterlagen vor und
man kann hier auf die eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Auch kann man hier
besser die erfolgreichen Beispiele demonstrieren.

Leser: Ist es üblich, Franchise-Verträge,
Korrespondez u.ä. immer in Englisch zu verfassen, oder ist eine Übersetzung in
die jeweilige Landessprache notwendig?

Rolf Gerhard Kirst: Ich würde mich auf
eine einheitliche Sprache einigen. Am besten ist für ein deutsches System
natürlich die Wahl unserer eigenen Sprache. Die zweite und häufigere Alternative
wird wohl Englisch sein. Auf keinen Fall würde ich Ihnen raten, irgendwelche
Unterlagen selber in die jeweilige Landesprache zu übersetzen, denn dann sind
Sie für den Inhalt auch verantwortlich. Die Übersetzung von Verträgen und
Unterlagen in die jeweilige Landessprache muss in der Verantwortung des
örtlichen Partners verbleiben.

Leser: Inwieweit könnte das Internet die
internationale Partnersuche künftig erleichtern ?

Rolf Gerhard Kirst: Das Internet
erleichtert auch heute schon die Partnersuche enorm. Suchen Sie einmal nach dem
Begriff ‚Franchise international‘ in einer Suchmaschine und Sie erhalten
tausende von Verbindungen. Ich habe einmal die wichtigsten zusammengefasst:
www.franchiseinfomall.com, www.franchisesolutions.com, www.franchiseintl.com,
www.bison1.com, www.bizbuysell.com, www.businessforsale.com,
www.franchisedirect.co.uk, www.franchise.com, www.franchiseopportunities.com und
so weiter. (ich hoffe, ich habe alles richtig geschrieben – probieren Sie es
aus)

Leser: Welches sind die wichtigsten
Kostenfaktoren im Rahmen der Internationalisierung ?

Rolf Gerhard Kirst: Der größte Faktor
am Anfang liegt sicher darin, den richtigen Partner zu finden. Kosten für
Anzeigen, Berater usw. Der nächste Faktor werden wohl die Rechtskosten sein.
Wenn Sie eine lokale Marktstudie anfertigen lassen, dann geht das ebenfalls ins
Geld. Die Reisekosten sind nicht zu unterschätzen, ausser Sie arbeiten mit
Uniglobe Travel zusammen. (Ein wenig Eigenwerbung muss schon sein!) Zu überlegen
ist die Investition in ein Pilotprojekt vor Ort.

Leser: Wenn man Deutschland, München als
„Gerichtsstand“ wählt, ist dann das deutsche Recht auch für Franchisepartner im
Ausland anwendbar? bei dieser Gelegenheit möchte ich mich für die umfassenden
Informationen bedanken! m.v.

Rolf Gerhard Kirst: Wenn Gerichtsstand
München vereinbart wird, dann gilt für den ausländischen Masterpartner auch
deutsches Recht – ganz klar. Die zukünftigen Franchisenehmer vor Ort schließen
dann aber einen Vertrag nach örtlichem Recht mit dem Master ab. Ich freue mich,
wenn ich Ihnen einige Anregungen geben konnte und wünsche viel Erfolg.

Leser: Mit welchen Institutionen und
Orgaisationen sollte man vor dem Markteintritt Kontakt aufnehmen ?

Rolf Gerhard Kirst: Das hängt von Ihrer
Branche ab. Ein Weg, der immer zutrifft, ist der Kontakt zum örtlichen
Franchiseverband. Wie Sie den finden, habe ich oben schon genannt. Weiterhin
sollten Sie die Handelskammer des Landes aufsuchen. Ein Tipp: Die meisten Länder
haben auch in Detuschland eine Vertretung der Handelskammer. Ein guter Kontakt
ist der DIHT – der deutsche Industrie und Handelstag hat fast in allen wichtigen
Ländern eine eigene Vertretung, die Ihnen sehr viel Unterstützung bietet.

Leser: Gibt es nicht irgendwo eine Übersicht
von Unternehmen oder Investoren, die sich für die Übernahme von Masterlizenzen
interessieren ?

Rolf Gerhard Kirst: Suchen Sie im
Internet – ich habe oben einige Adressen aufgezeigt. Dort gibt es zum Beispiel
Seiten, die sich mit dem Kauf und Verkauf von Unternehmen beschäftigen.

Rolf Gerhard Kirst: Wir sind nun
am Ende unserer Sitzung angekommen und ich freue mich über die rege
Kommunikation. Hoffentlich konnte ich einige wertvolle Anregungen geben und
wünsche allen Chattern und Lesern des Protokolls viel Erfolg im Ausland oder mit
einem ausländischen Partner hier in Deutschland. Mit den besten Grüssen – Ihr
Rolf Gerhard Kirst

Rolf Gerhard Kirst
Franchise Pool International e.K.

Spezialisiert auf internationales Franchising, Vermittlung von Masterpartnern und Beratung für die Auslandsexpansion deutscher Franchisegeber. Internationales Netzwerk mit Franchiseexperten.

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