Ratgeber & Podcast

für Franchisezentralen

Finanzierung und Konfliktmanagement im Franchising

Waltraud Martius: Guten
Morgen, liebe Franchise-Geber, freue mich auf viele Fragen und die jetzige
Diskussion im 1. Franchise Friday.

Leser: Liebe Frau Frauenhuber, stimmt es, dass
Herr Utho Creussen Obi verlässt?

Waltraud Martius: Ja, liebe
Leserin, in einer gestrigen Pressemeldung habe ich gelesen, dass Herr Dr.
Creussen Obi verlässt, und er auch sein Amt als Präsident des DFV
zurücklegt.

Leser: Guten Morgen, Frau Frauenhuber Die
ersten Fragen sind am schwierigsten. Mit einer allgemeinen Frage zur
Finanzierung möchte ich starten: Welche Alternativen gibt es für ein junges
Franchisesystem zur Bankfinanzierung und was würden Sie empfehlen ?

Waltraud Martius: Guten Morgen
lieber Leser, das ist wahrlich eine schwierige Frage. Gerade die Entwicklung von
Franchisesystemen kostet ja viel Geld. Alternative zur „normalen“
Bankenfinanzierung kann z.B. die Einbeziehung der Lieferanten des zukünftigen
Systems in die Entwicklung des Franchisesystems sein.

Leser: Wann findet der nächste
Konflikte-Workshop der Syncon statt?

Waltraud Martius: Wir haben in den
letzten Monaten erfolgreich eine Studie zum Thema Konfliktmanagement in
Franchisesystemen gemeinsam mit einer Universiät durchführen lassen. Gemeinsam
mit unserem Fachexperten zum Thema Konflikte werden wir eine Workshopreihe zum
Thema Konflikte anbieten. Wir starten damit am 7. und 8. Dezember 2001. Nähere
Informationen dazu senden wir Ihnen gerne zu.

Leser: Wie lange benötigt man, eine bereits
erprobte Geschäftsidee in ein Franchise-Konzept umzuwandeln? Und wie lange
benötigt man, bis man die ersten Franchise-Nehmer findet?

Waltraud Martius: Lieber Leser,
das hängt davon ab, wie viel Zeit Sie für die Entwicklung des Franchisesystems
nun investieren können. Erfahrungsgemäß braucht es für das Schreiben eines
Handbuches zwischen 3 und 6 Monaten, die Fertigstellung der Franchise-Tools, wie
z.B. Controllinginstrument, Marketingkonzept usw. erfolgt parallel dazu.
Erfahrungsgemäß braucht es ein gutes halbes Jahr bis das Franchisepaket fertig
ist. Wenn sie einen oder mehrere erfolgreiche Pilotbetriebe vorweisen können,
dann können Sie mit der Suche Ihrer Franchisenehmer starten. Dazu gibt es viele
Möglichkeiten, wie z.B. die Franchisemesse in Frankfurt oder Wien, die virtuelle
Messe des Franchise-Portals, PR – Artikel, Anzeigen und vieles mehr.
Erfahrungsgemäss ist es natürlich schwierig, den ersten Partner zu finden, denn
der erste muss ja ein großes Vertrauen in Ihr System setzen. Aus diesem Grund
ist die Offenlegung des Systems extrem wichtig. Je offener und klarer Sie hier
sind, desto schneller werden sie Franchise-Nehmer finden. Erfahrungsgemäß
erstreckt sich auch dieser Prozess über 3 bis 6 Monate.

Leser: Wo können am besten potentielle
Franchise-Nehmer gesucht werden?

Waltraud Martius: Liebe Leserin,
auf der Franchisemesse in Frankfurt , Wien, über die Virtuelle Messe des
franchise-portal.de oder .at oder .ch. Durch gezielte Pressearbeit und Anzeigen,
durch die Homepages der nationalen Verbände. Vorab jedoch ist es sehr wichtig,
dass Sie das genaue Anforderungsprofil definieren und Ihre FN – Zielgruppe
festlegen. Je klarer diese beide Bereiche definiert sind, desto besser kann die
Rekrutieungsstrategie festgelegt werden. Wenn Sie z.B. die FN – Zielgruppe
erfassen können per gekaufter Adressen, ist auch eine Direktansprache per
Direct-Mail oder persönlich eine gute Möglichkeit.

Leser: Was passiert nun wirklich, wenn ein
Franchise-Geber einen Vertrag nach der alten GVO nicht an die neue GVO anpassen
läßt? Ist die Franchise-Partnerschaft tatsächlich mit Ablauf des Jahres 2001
abgelaufen?

Waltraud Martius: Lieber Leser,
das ist eine gute juristische Frage. Laut Auskunft der Rechtsanwälte ist das
so.

Leser: Ist es möglich ohne jegliches
Eigenkapital Franchise-Nehmer zu werden?

Waltraud Martius: Liebe Leserin,
die meisten der Franchise-Systeme verlangen einen Eigenkapitalanteil zwischen 25
und 30%. Es ist auch sinnvoll, mit einem gewissen Eigenkapitalanteil zu starten,
denn sonst wird es auch für einen Franchise-Nehmer schwierig erfolgreich zu
werden. Wobei der EK-Anteil pauschal nicht beziffert werden kann und von System
zu System unterschiedlich ist.

Leser: Liebe Frau Frauenhuber, welche
Kriterien sind für die internationale Expansion eines Franchise-Systems
entscheidend?

Waltraud Martius: Lieber Leser,
ganz wesentlich ist das perfekte Funktionieren im eigenen Land. Des weiteren die
Adaptierug des bestehenden Systems (Franchisepaket, Handbücher, Betriebstyp,
Vertrag usw.) auf das neue Land, und vor allem zunächst auch eine erfolgreiche
Pilotierung in diesem neuen Land. Vorab sollten Sie aber die Strategie
entscheiden, wie sie diese Auslandsexpansion vornehmen möchten. Es gibt dafür
mehrere Möglichkeiten: 1. Direktfranchising 2. Gründung einer eigenen
Niederlassung 3. Joint Venture 4. Masterfranchising 5. Area Development

Leser: Welche Anforderungen stellt die DtA, um
ein System als förderungswürdig einzustufen ?

Waltraud Martius: Sehr geehrter
Leser, die DtA überprüft den Vertrag insbesondere auf die Übereinstimmung mit
der Europ. Gruppenfreistellungsverordnung.

Leser: Gibt es in Österreich eine mit der DtA
vergleichbare Institution, die Fördermittel zur Verfügung stellt und welche
Voraussetzungen muss das Franchisesystem erfüllen ?

Waltraud Martius: Lieber Leser, ja
das gibt es. In Österreich heisst diese Institution „Bürges“, zuständig ist Herr
Mag. Leutgeb. (Die Adresse finden Sie auf www.franchise.at). Allerdings hat
diese Institution einige Beschränkungen. So z.B. muss der Franchise-Nehmer
Hauptmieter sein und die Lieferungen von Einrichtung und Ausstattung darf nicht
direkt vom Franchise-Geber kommen.

Waltraud Martius: Liebe
Chat-Teilnehmer, habe momentan ein Netzproblem. bleiben sie dran.

Leser: Inwieweit können sich Franchise-Nehmer
am Betrieb des Franchise-Gebers oder ungekehrt beteiligen, ohne mit dem
Kartellrecht in Konflikt zu geraten ?

Waltraud Martius: Lieber Leser,
das hängt ganz von der Größe des Systems ab und muss im individuellen Fall
geprüft werden. Es gibt aber schon einige Franchisesysteme in Form von
Aktiengesellschaften und die Franchise-Nehmer sind an dieser AG beteiligt.

Leser: Wie lange ist die durchschnittliche
Laufzeit eines Franchise-Vertrages?

Waltraud Martius: Liebe Leserin,
aufgrund der neuen Gruppenfreistellungsverordnung werden die meisten der
Franchiseverträge auf 5 Jahre abgeschlossen. Ausnahmen sind Systeme, die eine
hohe Investion beim Franchise-Nehmer erfordern und die Amortisation dieser
Laufzeit länger als 5 Jahre dauert. Ausnahmen bilden auch die Franchiseverträge,
die z.B. gar nicht unter die GVO fallen.

Leser: Macht nach den Börsenerfahrungen der
vergangenen Monate für ein Franchisesystem die Umwandlung in eine AG noch Sinn ?

Waltraud Martius: Lieber Leser,
die meisten der Franchisesysteme sind ja zunächst einmal noch nicht
börsennotiert. Und wir hoffen ja alle, dass die Börse sich wieder erholt und
nach den schrecklichen Ereignissen in den USA auch das Leben sich wieder
normalisiert. Zum gegebenen Zeitpunkt ist mit einem Börsengang sicherlich sehr
vorsichtig umzugehen.

Leser: In Ostdeutschland sind Banken und
Sparkassen nur selten zur Finanzierung von Gründungsvorhaben bereit. Wie ist
unseren Partnern zu helfen ?

Waltraud Martius: Sehr geehrter
Leser, das ist generell ein Problem der Gründungen im Osten. Sie sollten so gut
wie möglich bereits erfolgreiche Franchise-Nehmer oder ihre eigenen
Piltobetriebe vorweisen können. Professionell aufbereitete Unterlagen für die
Bankengespräche helfen hier sicherlich auch. Auch die Unterstützung der Partner
bei den Bankengesprächen stellt eine Möglichkeit dar, sich von „normalen“
Gründungsvorhaben abzuheben. Die „Deutsche Bank 24“ ist auch als mittlerweile
deklarierte „Franchisebank“ hier ein guter Ansprechpartner. Die genaue Adresse
geben wir Ihnen gerne.

Leser: Sollte man als Deutscher Franchisegeber
eine Zentrale in Österreich aufbauen oder kann man die Partner von hier aus
betreuen ?

Waltraud Martius: Lieber Leser,
das hängt von der Anzahl der geplanten Franchise-Nehmer ab. Bei einer eher
geringen Anzahl können die Franchise-Nehmer auch von Deutschland aus betreut
werden. Ist eine große Anzahl an Franchise-Nehmern geplant (was ja abhängt von
der Art des Franchisesystems), ist es besser eine Niederlassung oder zumindest
eine österr. Betreuer zu installieren.

Leser: Sie haben eine führende Position im
ÖFV. Welche Hilfe kann der Verband jungen Systemen beim Aufbau leisten ?

Waltraud Martius: Ja, das ist
richtig, ich bin ehrenamtlich seit 16 Jahren im Österr. Franchiseverband tätig.
Gerade jungen Franchisesystemen bringt der Verband sehr viel. Weiterleitung von
geeigneten Experten (Rechtsanwälte, Banken, Spezialisten zum Aufbau des Systems
etc.), Spezialseminare (über Rekrutierung, Finanzierung usw.), Erfatagungen nur
für Mitglieder, FN- Börse, dh. die Vermittlung von Anfragen potentieller FN,
Darstellungsmöglichkeit auf der Website des Verbandes und vieles mehr. Am besten
schauen Sie rein in: www.franchise.at

Leser: In Europa sind die Franchise-Verbände
im EFF, European Franchise Federation, zusammengeschlossen. Kann ich als
Mitglied eines nationalen Verbandes die Leistungen des EFF oder anderer
nationaler Verbände in Anspruch nehmen ?

Waltraud Martius: Lieber Leser,
der EFF ist ein Zusammenschluss aller nationalen Verbände, insbesondere um das
Lobbying für Franchising in Europa zu betreiben. Was auch sehr gut gelingt.
Informationen über die Arbeit der EFF erhalten Sie über Ihren nationalen
Verband. Brauchen Sie Unterstützung von einem anderen nationalen Verband, hilft
Ihnen sicherlich gerne ihr „Heimatverband“ weiter. In letzter Konsequenz sollte
Sie dann aber auch Mitglied in den anderen Verbändn werden, denn sonst können
Sie die Leistungen des jeweiligen Verbandes nicht in Anspruch nehmen.

Waltraud Martius
SYNCON International Franchise Consultants

Waltraud Martius ist Franchise-Beraterin und Mitbegründerin des Österreichischen Franchise-Verbandes (ÖFV). Außerdem ist sie Mitherausgeberin und Autorin mehrerer Bücher über Franchising.

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