Ratgeber & Podcast

für Franchisezentralen

Lebenszyklen und Herausforderungen eines Franchise-Systems

Waltraud Martius: Liebe Chat-TeilnehmerInnen, ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Guten Morgen und freue mich auf viele Fragen und Beiträge, herzlichst, Ihre Waltraud Martius

Leser: Liebe Frau Martius, lassen Sie mich mit einer halb-ernsten Frage Ihr heutiges Thema aufgreifen: In welchem Alter durchläuft ein Franchise-System die Pubertät und wie äußert sich das „Flegelalter“?

Waltraud Martius: Das ist gar nicht so eine unernste Frage :-). Meistens kommt die Pubertät im 2 oder 3 Jahr, nämlich dann, wenn alles in der Partnerschaft selbstverständlich geworden ist.

Leser: Jetzt aber im Ernst: Welche unterschiedlichen Phasen lassen sich im Entwicklungsverlauf eines Franchise-Systems erkennen?

Waltraud Martius: In den letzten Jahren hat sich in der Praxis – und mittlerweile auch wissenschaftlich bewiesen – eine Einteilung in vier große Bereiche im Lebenszyklus von Franchise-Partnerschaften herauskristallisiert. Die Details beschreibe ich dann später, aber es geht von der Phase des Kennenlernens bis zur Phase der reifen Beziehung, wo Abhängigkeit dann als positiv erlebt wird.

Leser: … und welche besonderen Herausforderungen kommen dabei auf eine Systemzentrale zu?

Waltraud Martius: Eine der wichtigsten Phasen im Leben von Franchisepartnerschaften ist die von mir sogenannte „MINUS – 1 – PHASE“, als die erste Begegnung, das Kennenlernen. Alles was in dieser Phase passiert (positiv wie negativ) wird im Unterbewusstsein abgespeichert und in den späteren Phasen hervorgeholt und beeinflusst das Verhalten dann in dieser Phase.

Leser: Auch Ihnen einen guten Morgen, Frau Martius! Was verstehen Sie unter einem Start-up-Franchise-Geber? Ein Franchise-System, das am grünen Tisch zu Franchise-Zwecken konzipiert wurde? Ich hätte angenommen, dass die meisten Franchise-Systeme aus erfolgreichen Einzelunternehmen hervorgegangen wären.

Waltraud Martius: Nein, so war das nicht gemeint, sondern eben der Start eines Franchisesystems. Und natürlich haben Sie recht, das Geschäftskonzept muss erfolgreich erprobt sein, getestet, pilotiert und zur Skalierung bereit. Ohne diese erfolgreiche Pilotierung wäre die Entwicklung eines Franchisesystems unseriös.

Leser: Wann darf eigentlich ein Unternehmen sich berechtigterweise als Franchise-Geber bezeichnen? Wenn es den ersten Partner gewonnen hat?

Waltraud Martius: Wenn es das Konzept für den Partnermarkt entwickelt hat, d.h. eine professionelle Know-How-Dokumentation erstellt hat, was natürlich bedingt, dass es entsprechendes Know-How auch gibt (das ist ja generell die Grundbedingung für Franchising), einen partnerschaftlichen Vertrag und die Fertigstellung aller Prozesse und Tools, die der Franchisenehmer braucht, um erfolgreich starten zu können. Und natürlich die entsprechenden Ergebnisse der Pilotierung des Geschäftskonzeptes.

Leser: Hallo Frau Martius, zur ersten Begegnung hätte ich eine Frage: Worauf ist beim Erstgespräch mit einem Kandidaten besonders zu achten? An welchen charakterlichen Eigenschaften erkenne ich einen geeigneten Franchisenehmer?

Waltraud Martius: Zunächst sollten Sie ein Anforderungsprofil an IHREN Franchisenehmer erstellen. Fachlich, persönlich, finanziell. An diesem Profil können Sie dann Ihren Bewerber messen. Der erste Eindruck ist sicherlich auch der Wichtigste (übrigens auch umgekehrt). Achten Sie auf die Werte, die Ihnen wichtig sind, z.B. Pünktlichkeit, Verlässlichkeit…. Ein der wesentlichen Charaktereigenschaften von erfolgreichen Franchisenehmern ist GEWISSENHAFTIGKEIT. Machen Sie sich Notizen über Ihren ersten Eindruck aufgrund Ihres Anforderungsprofils. Lassen Sie den Bewerber sprechen und herauszufinden, was seine Beweggründe für die Selbstständigkeit mit Ihrem System sind. Meistens texten wir die Bewerber viel zu viel zu. Übrigens gibt es im April 2017 dazu ein tolles DFI-Seminar: „Engpass FN Suche“. Infos dazu beim DFI des DFV.

Leser: Auf welche Fähigkeiten und Kenntnisse sollte im Rahmen eines professionellen Auswahlverfahrens (z.B. ein Assessment Center in der Systemzentrale oder notfalls ein Online-Test) im Franchising besonderes Gewicht gelegt?

Waltraud Martius: Bitte lesen Sie dazu auch die vorherige Antwort. Es gibt nicht DEN idealen FN, sondern der FN, der zu Ihnen und Ihrem System passt. Und es hängt auch sehr davon ab, wo steht Ihr System in der Entwicklung. Sind Sie ein junges System, braucht es auch noch Pioniere, die einsteigen, die mutig sind, sich auf was Neues einzulassen. Es gibt ein tolles neues Buch beim Gabler-Verlag: „Wissens – und Innovationsmanagement in der Franchisepraxis“. Da gibt es auch eine Fallstudie über den idealen FN, sehr lesenswert. Eigenschaften, wie Verlässlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Extrovertiertheit und die Fähigkeit, Teil eines Teams zu sein, sind hier zu nennen. Ab 2017 wird es einen wissenschaftlich ausgearbeiteten Fragebogen dazu geben, derzeit läuft gerade ein Forschungsprojekt mit 15 ausgewählten Franchisesystemen. Das Ergebnis wird ein Fragebogen sein, der für die Auswahl von FNs herangezogen werden kann.

Leser: Muss eigentlich jedes Franchisesystem Wachstumskrisen durchleiden, um zu einem führenden Anbieter zu reifen? Oder gibt es vorbeugende Maßnahmen, mit denen sie sich vermeiden lassen?

Waltraud Martius: Nein, das muss es nicht, obwohl ich manchmal zu meinen Kunden sage: „Auf dem Weg zur Erfahrung gibt es keine Abkürzung.“ Franchising heißt Multiplikation eines erfolgreichen Geschäftskonzeptes! Die Strategie, ein erfolgreicher FG zu werden, ist immer gleich, denn Franchising ist ein strategisches Tool. Franchising kann man lernen, ohne Wachstumsschmerzen. Viele der FG glauben nur, sie wissen sowieso schon alles :-). Wenn ich FG werden möchte, würde ich sofort Mitglied im Verband werden, alle Seminare und Veranstaltungen besuchen und mit den bestehenden FGs reden, reden, reden…. und natürlich zu uns in die BERATUNG kommen….. Für bestehende FG ist es sicherlich auch sinnvoll, einmal im Jahr kritisch ins System zu schauen, ob alles auf dem richtigen Weg ist. Die Partner einzubinden und z.B. eine Partnerschaftsbilanz durchzuführen und die Zufriedenheit aller Beteiligter im System zu checken, um sich miteinander weiterentwickeln zu können. Eine vorbeugende Maßnahme ist auch Transparenz und regelmäßige Gespräche und vorallendingen ein professioneller, laufender Know-How-Transfer, mittlerweile natürlich digitalisiert.

Leser: Zu welchem Zeitpunkt können wir Kandidaten zu einem Test auffordern, ohne sie zu verschrecken? Wir wollen unser Tool als kostenfreien Service präsentieren, der beide Seiten vor einer kostspieligen Fehlentscheidung bewahren kann.

Waltraud Martius: Das würde ich sehr früh machen, wenn Sie der Meinung sind, der Bewerber sei aus ihrer Sicht geeignet. Und wenn Sie es eben so anbieten, dass es eine Chance für beide Seiten ist, die richtige Lebensentscheidung zu treffen, dann verschrecken Sie die Kandidaten nicht, ganz im Gegenteil, das gibt Sicherheit und das suchen die KandidatInnen.

Waltraud Martius: Den Lebenszyklus von Franchisepartnerschaften teilen wir in 4 Bereiche ein: 1. Phase der Identifikation 2. Exploration 3. Erwerb eigener Identität 4. Ausformung reifer Partnerschaft

Waltraud Martius: Was bedeutet Phase 1 – Identifikation: Kennenlernen, Identifizieren, Chancen wahrnehmen, Unsicherheiten, Stress, Ängste, geringes Konfliktpotential, hohe Präsenz des FGs, Verlässlichkeit, geregelte Gespräche, außertourliche Kontakte, Grundausbildung, Aufbau von Vertrauen.

Leser: Aber wie identifiziert man als sogenannter StartUp-Franchisegeber das passende Profil eines Franchisepartners? Es fehlen uns schlicht und ergreifend die nötigen personellen Erfahrungen.

Waltraud Martius: Erarbeiten Sie IHR Wunschprofil: persönlich, fachlich, finanziell, Infrastruktur. Orientieren Sie sich dabei an Ihren Werten und Ihrem Geschäftskonzept. Erstellen Sie ein Profil, das Sie dann mit Ihren Bewerbern abgleichen. Reden Sie mit anderen FGs bei diversen Veranstaltungen des Verbandes. Und kommen Sie in das dafür sehr passende DFI-Seminar im April 2017: Engpass FN Akquise in München.

Leser: Kann man sich als sog. StartUp-Franchisegeber in Ermangelung eines fundierten Suchprofils z.B. auf einzelne Berufsgruppen konzentrieren, wo bestimmte Fähigkeiten oder Kenntnisse in erhöhtem Maße vorhanden sein sollten?

Waltraud Martius: Ja, das können Sie, wenn diese Berufsgruppe für die Umsetzung Ihres Geschäftskonzeptes die richtige ist. Je besser Sie Ihre FN – Zielgruppe kennen, desto leichter wird die Ansprache, nicht unbedingt der Abschluss.

Waltraud Martius: Nun zur Phase 2 – Exploration: Ermutigung zur Selbstständigkeit, Experimentieren, Begleiten, Betreuen, sanft lenken, kleine Korrekturen, Trotzigkeiten, spielerisches Erproben des eigenen Vermögens, Grenzen setzen ohne einzuengen, Gespräche zu fixen Zeiten, Reibung, Konflikte, Bestätigung des gegenseitigen Vertrauens.

Leser: Stellt die Internationalisierung nicht eine weitere Entwicklungsphase für ein Franchise-System dar?

Waltraud Martius: Ja natürlich, denn die Strategien der Internationalisierung sind sehr vielseitig. Und abhängig davon, welche Strategie der FG wählt, sind die Anforderungen an die Franchisezentrale und das gesamte System unterschiedlich. Nicht zu vergessen ist der systemische Ansatz, was passiert mit den bestehende FNs im Heimatland, wenn die Internationalisierung zu wichtig wird.

Leser: Können wir die Kandidaten bitten, uns das von ihm zu erbringende Eigenkapital in geeigneter Form nachzuweisen, bevor wir zu viel Zeit verlieren und auch noch vertrauliche Informationen preisgeben?

Waltraud Martius: Ja, natürlich.

Leser: … und wieviel Zeit sollte man Kandidaten für die Prüfung der Vereinbarung durch Anwalt und/oder Steuerberater lassen?

Waltraud Martius: Mindestens 14 Tage.

Leser: Der heutige Chat hat die Lebenszyklen im Franchising zum Thema. Für uns wäre von Interesse, ob auch der Planungsprozess in einzelne Phasen eingeteilt werden kann. Wir stehen noch ganz am Anfang des Systemaufbaus und müssen aus Kostengründen leider alleine zurechtkommen.

Waltraud Martius: Sie meinen den Planungsprozess des Systems? Überprüfen Sie zuerst, ob Ihr Geschäftskonzept alle relevanten Erfolgsbestandteile hat, wie z.B. Produkte, Ladenbau, Marketing, Verkauf, Mitarbeiter, usw. Erstellen Sie dann Ihr Franchisepaket mit den Leistungen für Ihre zukünftigen FNs. Wenn Sie mir eine kurze Mail schreiben, sende ich Ihnen gerne so ein Muster-Franchisepaket. Im Anschluss daran erstellen Sie die Gliederung Ihrer Know-How-Dokumentation und fangen an, die einzelnen Kapitel zu erarbeiten. Und besuchen Sie Ende November die „Schule des Franchising“. Das sollten Sie investieren. Schauen Sie dazu auf die Webseite des deutschen Verbandes. Melden Sie sich unter Berufung auf meinen Namen an, dann gibt es einen Sonderpreis:-) .

Leser: Wie schätzen Sie die Gefahr ein, dass immer aggressiver auftretende Globalisierungsgegner die Internationalisierung von Franchise-Systemen bremsen könnten?

Waltraud Martius: Da sehe ich gar keine Gefahr. Zum einen sind nur ca. 20 % aller Systeme dafür geeignet international zu gehen. Und wenn es den Markt im Ausland für das Geschäftskonzept gibt, dann wird es meiner Meinung nach sogar mit Franchising leichter gehen, weil ja in dem jeweiligen Land wiederum nationale Partner zum Zug kommen.

Leser: Sollten wir auf größtmögliche Heterogenität bei der Zusammensetzung unserer Franchisenehmer achten, um als System von der kreativen Vielfalt zu profitieren? Oder sollten wir Heterogenität eher geringhalten, um dadurch Reibungsverlusten und Konflikten vorzubeugen? Welches ist der „Königsweg“?

Waltraud Martius: Da Sie ja ein Ideal-Anforderungsprofil anstreben, sind die FN meistens gleichklangig. Also ergibt es sich fast von selbst, dass es wenig Heterogenität gibt. Allerdings sollten Sie darauf achten, nicht „Klone“ von Ihnen selbst ins System zu holen, das geht meistens schief. Und im Sinne der immer wichtiger werdenden schnellen Innovation ist ein bisschen Heterogenität schon sehr sinnvoll, wenn auch manchmal anstrengender.

Leser: Wie Sie zurecht erwähnten, ist das erstmalige Zusammentreffen im Leben oft entscheidend: Das dürfte auch für die Integration neuer Franchisenehmer gelten. Was kann die Systemzentrale dazu beitragen, dass das Kennenlernen im Kreis der Partner vorurteilsfrei und harmonisch abläuft?

Waltraud Martius: Keine falsche Versprechungen, keine falschen Erwartungshaltungen generieren, Bewerber erzählen lassen, was sie motiviert, sich selbstständig zu machen, ehrlich sein, wo Ihr System steht, was Sie vorhaben, klaren Weg bis zur Vertragsunterzeichnung und die Systemintegration aufzeigen, andere FNs als Referenzen mit einbeziehen, professionelle Tools zur Verfügung stellen (z.B. Muster-Erfolgsplanung), eine perfekte Know-How-Dokumentation, in die der Bewerber Einsicht bekommt, Vertrauen und Sicherheit aufbauen…

Waltraud Martius: 3. Phase – Erwerb eigener Identität: FN ist etabliert, Abgrenzung zum FG, Profilierung, Regelüberschreitung, FG verhandelt anstatt anzuordnen, Konflikte austragen, anstelle von Harmonisierung, Kein Ausweichen oder Wegschauen möglich, Aufzeigen ungenützter Potenziale, Stärken des FNs nutzen, professionelle Betreuung, starke Integration des FNs, Sicherheit für FN und FG.

Leser: Welche Unterstützung bei Standortsuche und Lokalbeschaffung sollten wir einem Kandidaten zusagen? Können wir darauf hinweisen, dass dies keineswegs überall selbstverständlich ist?

Waltraud Martius: Zunächst sollten Sie auch für den Standort ein Anforderungsprofil haben und eine Checkliste zur Beurteilung eines möglichen Standortes. Damit kann der FN dann die ersten Standorte suchen und begutachten. Er soll Ihnen Unterlagen über diesen Standort senden, wie z.B. Frequenzzählungen, Fotos, Pläne, Kosten usw. Dann können Sie entscheiden, ob es ein eventuell passender Standort ist und mit ihm einen Besichtigungstermin vor Ort wahrnehmen. Checken Sie soviel wie möglich vorher, sonst fahren Sie viele leere KM. Übrigens bin ich der Meinung, dass es schon die Aufgabe eines professionellen FGs ist, den FN bei der Standortsuche und -auswahl behilflich zu sei. Wie soll der FN es wissen! Sie müssen dieses Know-How zur Verfügung stellen und wenn Sie es nicht haben, dann extern bei Standortspezialisten zukaufen.

Waltraud Martius: 4. Phase – Ausformung einer reifen Partnerschaft: Zusammenarbeit ist fruchtbar, 100%ige gegenseitige Akzeptanz, FG und FN erkennen, wie sie am Erfolg des anderen beteiligt sind, FN sind in die Weiterentwicklung und die Umsetzung des Systems eingebunden, FN ist positive Identifikationsfigur für das System, keine Beziehungskonflikte sondern Diskussion, um Verbesserungen im System, Akzeptanz der Abhängigkeit erlaubt Akzeptanz der Unterschiedlichkeit, entspanntes, erfolgreiches Miteinander, gegenseitige Abhängigkeit wird positiv erlebt.

Leser: Zu welchen betriebswirtschaftlichen Auskünften können Franchisenehmer verpflichtet werden, ohne dass wir ihren Status als selbstständige Unternehmer in Frage stellen?

Waltraud Martius: Alles was Sie brauchen um sicherzustellen, dass sich die FNs systemkonform verhalten, damit dem System und dem einzelnen FN kein Schaden zugefügt wird. Also betriebswirtschaftliche Kennziffern genauso wie vertrieblichen Kennziffern, wie qualitätsbezogene Kennziffern. Beispiele: Umsatz, DB, Rohertrag, Kosten, Anzahl Kunden, Durchschnittskassenbon, Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit. Im Controlling und Benchmarking ist weniger auch immer mehr, also bitte die richtigen Kennziffern herausarbeiten und die, die auch tatsächlich gute Vergleiche unter den Partnern möglich machen.

Leser: Wir versuchen als Zentrale allen Partnern gleichermaßen gerecht zu werden, aber leider ist es nicht immer möglich. Wie können wir die ständigen Eifersüchteleien zwischen den Franchisenehmern vermeiden?

Waltraud Martius: Das klingt nach „Bevorzugung“ und Erbringung von Individualleistungen. Das sollten Sie vermeiden. oder bezahlen die FNs dann extra? Eifersüchteleien verhindert man durch Ansprechen und Transparenz, z.B. bei Tagungen. Vielleicht ist die Eifersucht ja auch gerechtfertigt. Ein guter Standard ist auch „Disagree but commit“, das würde hier aber zu weit gehen, dieses Tool zu erklären, wenn Sie mich anrufen, dann können wir darüber gerne plaudern.

Leser: Darf die Systemzentrale ihren Partnern monatliche Bezugsverpflichtungen auferlegen?

Waltraud Martius: Das ist eine sehr juristische Frage und so pauschal nicht zu beantworten. Geht es um die Verpflichtung für Produkte, die nur Sie herstellen, oder handeln Sie diese Produkte exklusiv oder könnte der FN diese Produkte auch woanders kaufen?

Leser: Wieviel Zeit würden Sie für den Planungsprozess zum Aufbau eines Franchise-Systems veranschlagen? Welche Aufgaben fallen dabei besonders ins Gewicht?

Waltraud Martius: Wenn wir unsere Kunden im Aufbau eines Systems begleiten, dann setzen wir zwischen 6 und 12 Monate an. Zu den Aufgaben sehen Sie doch bitte meine Antwort davor, da habe ich beschrieben, was die einzelnen Teile sind. Franchisepaket, Know-How-Dokumentation, Vertrag, Tools, Prozesse.

Leser: Teils, teils. Einzelne Produkte werden speziell für uns gefertigt und nur unter unserer

Waltraud Martius: Da ist eine Bezugsbindung möglich! Bei Produkten, die der FN woanders kaufen kann, ist das nicht möglich. Aber wie gesagt, eine sehr juristische Frage. Es gibt sicherlich hier im FranchisePortal demnächst wieder einen Chat mit einem Rechtsanwalt, der kann Ihnen die exakte juristische Sichtweise nennen.

Leser: Können Sie netterweise auch zum Planungsprozess Literatur empfehlen, die nach Möglichkeit von einem Franchise-Praktiker geschrieben wurde?

Waltraud Martius: Also meine Kunden bezeichnen mich als Franchise-Praktikerin, da ich nicht nur 7 Jahre ein System geführt habe, sondern seit 26 Jahren jeden Tag in einem Franchisesystem an der Entwicklung oder Perfektionierung mitarbeite. Also meine Bücher sind für ihre Bedürfnisse schon sehr brauchbar. 🙂 Und auf der Website unter Wissenswertes gibt es ganz viele Informationen, die Ihnen in der jetzigen Phase helfen können.

Leser: Ich fürchte, ich habe mich ungenau ausgedrückt. Ich meinte weniger eine Bezugsbindung als eine monatliche Mindestabnahmeverpflichtung.

Waltraud Martius: Aja, wieso möchten Sie das, Ihr Konzept sollte doch davon leben, dass Ihre FN sehr gut verkaufen, da ist eine Mindestabnahme nicht die richtige Strategie, sondern nur Ihre Innensicht und Ihre Absatzsicherung…. Sie sollten daran arbeiten, diejenigen Tools zu entwickeln, die den Partnern die nötigen Umsätze bringen, damit Sie freiwillig die Produkte einkaufen, weil sie diese brauchen.

Leser: Wenn ich Sie richtig verstehe, finde ich Ihre Bücher und weiteres Wissenswertes auf Ihrer Unternehmenswebsite?

Waltraud Martius: Ja, aber auch bei Amazon und hier im FranchisePortal.

Leser: Im Prinzip haben Sie recht. Ohne Mindestabnahmemengen tun wir uns mit der Produktionsplanung der speziell für uns gefertigten Produkte schwer. Auch wir als Zentrale müssen Mindestmengen nennen.

Waltraud Martius: Okay, aber dann sollten Sie mit den Partnern gemeinsam planen und die Produktionsplanung transparent machen, Verständnis schaffen für eine „win-win“ Situation. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe etablieren.

Leser: Der Franchise-Verband veröffentlicht jährlich Statistiken zur Struktur des Franchise-Marktes. Ist der Markt so transparent, wie er aufgrund dieser Zahlen erscheint oder gibt es eine hohe Dunkelziffer von Anbietern, die gar nicht erfasst werden?

Waltraud Martius: Die Statistiken werden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht und spiegeln meiner Meinung nach ein realistisches Bild der Franchiseszene in Europa.

Leser: Was halten Sie vom Bestreben mancher Franchise-Geber, eigenständige Finanzierungsmodelle für Ihre Franchise-Partner zu entwickeln?

Waltraud Martius: Leider ist das notwendig, weil die offiziellen Finanzierungsmodelle ja leider nicht mehr ausreichend sind. Ich denke, es sollte eine Leistung der FGs sein, Finanzierungsmodelle für ihre FNs zu entwickeln, denn Geld ist nach den geeigneten Bewerbern immer noch der größte Engpass.

Leser: Wie sorgen wir im Hinblick auf den Ablauf der Zusammenarbeit mit einem Franchise-Nehmer für einen fairen Interessenausgleich?

Waltraud Martius: Indem die Rechte und Pflichten für beide Seiten definiert sind, indem den FNs klar ist, dass es nur miteinander geht und indem Sie die Phasen des Lebenszyklus in ihrem Partnermanagement berücksichtigen. Indem Sie ihre Leistungen als FG immer wieder auf den Prüfstand stellen und auch regelmäßig eine Partnerschaftsbilanz durchführen.

Leser: Sollte für den Fall der vorzeitigen Kündigung eine andere Regelung gelten? Immerhin stellt sie die Systemzentrale vor unerwartete Probleme und unkalkulierbare Kosten.

Waltraud Martius: Die Frage ist doch zunächst, wieso kommt es zur vorzeitigen Kündigung. Wenn das vergehen eindeutig ist, dann gibt es normalerweise im Vertrag klar definierte Vorgehensweise. Kann ihre Frage nicht ganz nachvollziehen, weil was meinen Sie mit anderer Regelung?

Leser: Ich meinte weniger Kulanz von unserer Seite.

Waltraud Martius: Naja, da kann ich Ihnen jetzt nicht helfen, das müssen Sie lernen:-) Aber vielleicht hilft der Spruch: „Erfolg ist Konzept und Beharrlichkeit“ und „Wer konsequent ist, muss später nicht streng sein“… und bitte mein Buch „Fairplay Franchising“ lesen, da gibt es viele Praxistipps dazu.

Waltraud Martius: Liebe Chat-TeilnehmerInnen, ich habe Ihnen so zwischendurch die Inhalte der 4 Phasen des Lebenszyklus von Franchise-Partnerschaften eingestellt. Unter www.syncon.de unter „Wissenswertes“ können Sie einen Beitrag zum Lebenszyklus auch downloaden. Ganz viel vertiefende Informationen nicht nur zum Lebenszyklus finden Sie in meinem Buch „Fairplay Franchising“. Siehe unter Literatur auf www.syncon.de. Wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Franchising und vielleicht sehen wir uns ja bei einer den nächsten Franchise-Veranstaltungen, herzlichst, Ihre Waltraud Martius

Waltraud Martius
SYNCON International Franchise Consultants

Waltraud Martius ist Franchise-Beraterin und Mitbegründerin des Österreichischen Franchise-Verbandes (ÖFV). Außerdem ist sie Mitherausgeberin und Autorin mehrerer Bücher über Franchising.

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